7.-10.6.2019 Europäisches Treffen der Arbeiterpriester in Herzogenrath (D)

Thema des Treffens:
Auf welche Weise wurde ich / wurden wir durch unsere Erfahrungen auf der Arbeit und durch die ökonomisch geprägten Arbeitsbedingungen verändert?
Hier die zum Treffen eingeschickten Länderberichte:

Beitrag aus Belgien

Auf welche Weise habe ich / haben wir uns durch unsere Erfahrungen in der Arbeit verändern lassen und durch Arbeitsbedingungen, die wiederum Folge bestimmter ökonomischer Entwicklungen sind?
1. Mit einer gewissen Ängstlichkeit und Nervosität sind wir zum Ar-beiten in die Fabrik gegangen (ab 1965). So sind wir Mitglieder der Ar-beiterwelt geworden, die uns total fremd war angesichts unserer Her-kunft aus einer populären Schicht oder kleine Unabhängige. Der Kon-takt mit den Arbeiterpriestern und das 2. Vatikanische Konzil haben uns geholfen die Entscheidung zu treffen, Arbeiterpriester zu werden. Um einer von ihnen zu werden, waren wir es, die sie brauchten.
2. Wir hatten die Absicht, das Arbeiterleben zu teilen und auf diese Weise unsere Solidarität mit einer ausgebeuteten Klasse in der Bevölkerung voranzutreiben. Im Geiste der „Erlösenden Menschwer-dung“ (scheint eine Schrift zu sein, Päpstlich oder??) und des „Leben mit“ wollten wir die Kirche präsent machen in der Arbeiterwelt. Aber dank der Solidarität, die ihr eigen ist, lebten sie bereits einen Teil des Geistes des Evangeliums. „Priester sein“ das war für sie kein Problem, in dem Augenblick, da wir unsere Arbeiteraufgabe ehrlicherweise in einem Geist der Solidarität machten.
3. Indem wir das Arbeiterleben teilten, oft als Mitglieder der Sozi-alistischen Gewerkschaft, sind wir einer der ihren geworden. In den ka-tholischen Milieus nahm man uns das manchmal übel. „Was“! Arbeiten mit diesen schlechten Menschen!“ Aber unsere Option war es: Im Au-genblick,“ wenn man was Gutes tut, ist die Farbe nicht von Bedeutung“. Wir sind uns bewusst geworden, dass die Gewerkschaft keine Gefahr ist, sondern etwas Gutes, wichtig und nützlich.
4. Als Gläubige sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass die Basis des evangelischen Lebens darin besteht: zusammenarbeiten, um eine menschlichere Welt zu schaffen. Wie Jesus es gemacht hat zu seiner Zeit. Soziales Engagement und evangelisches Leben gehören zusam-men.
5. Wir erlebten in positiver Weise die Tatsache, dass wir die Arbeit von unseren Arbeitskollegen lernen mussten. Sie waren dazu bereit, uns zu helfen, unsere Arbeit bes-ser und schneller zu erledigen.
6. Neben der Erfahrung der Ungerechtigkeit, machten wir die Er-fahrung von viel Freundschaft unter den Arbeitern, die sich in einer sehr konkreten und volks-nahen Sprache ausdrückten. (Angesichts unserer Jahre der Ausbildung im Semi-nar benutzten wir eine andere Sprechweise.) Auch der Kontakt mit den Eingewanderten war eine Quelle menschlichen Reichtums.
7. Die Arbeit am Band war eine andere Quelle von Solidarität dank der Arbeit in Gruppen und des Gefühls geschätzt zu sein. Aber die Arbeit am Band war auch ei-ne Quelle von mentaler Desorientierung, die uns auch nach der Arbeit noch verfolgte.
8. Soziales Engagement: Sich zu beschweren über die fehlende Zeit zum Ausruhen und zum Essen, in einem Unternehmen ohne Gewerkschaft, hatte zur Konsequenz: Unmittelbare Entlassung. In einem Unterneh-men mit einer gewerkschaftlichen Delegation für einen gerechten Lohn für die auszubildenden Arbeiter, für mehr Gesundheit im Speise-saal, für eine obligatorische Prämie anlässlich einer kollektiven Ent-lassung, das wurde auch nicht geschätzt: bei Gelegenheit der Um-strukturierung des Unternehmens wurde ich entlassen: Diskussionen bei den Arbeiterpriestern: verfaulen oder handeln!
9. Das Arbeiterleben hat unseren Blick auf die Welt verändert und uns menschlich umgeformt. Wir betrachteten die Welt von unten her, von der Seite derer, „die nichts zu sagen haben“. „Ihr dürft nicht nach-denken“. Wir fühlten uns als eine Nummer in einer manipulierten Ge-sellschaft. Mit erstens: Leute die bedient werden und zweitens Leute die zu dienen haben, die manipuliert werden zum Profit der Reichen und der Leute, die Einfluss haben. Erfahrung auch, nicht respektiert zu werden noch geschätzt, ein Gefühl, nicht zu existieren.
10. Das Engagement als Freiwilliger bei ehemaligen Gefangenen, bei den Wohnungsosen, den Asylsuchenden, den Jahrmarkthändlern (Zigeuner???) das hat einige von uns angezogen und ihren Blick auf die Gesellschaft fundamental verändert.
11. Als Krankenschwester in der Geriatrie einer Klinik war es verboten, einen Dienst zu erweisen außer rein medizinischen Dingen, wie Tabletten, Spritzen, Verbände. Eine andere menschliche Hilfe war verboten.
12. In der Stadt muss man die große Unterscheidung machen zwischen den Vier-teln, die von den Reichen bewohnt werden und den mehr volkstümlichen Vierteln. Das wird ganz deutlich in den Baustellen und der Aufmerksamkeit für die Sauberkeit in den Straßen. In den Volks-vierteln bleiben die Trümmer und der Müll nach den Arbeiten oft jah-relang liegen.
In welchem Maße hat sich die Welt der Arbeit verändert und in welcher Richtung sehen wir seine Entwicklung in der Zukunft?
1. Mehr als früher sind die Arbeiter zu Diensten derer, die an der Macht sind.. Die menschliche Person muss sich dem Wert des Geldes unterwerfen.
2. Die Arbeit ist weniger schwer geworden aufgrund der Mechanisie-rung. Es wird mehr auf die Sicherheit geachtet. Aber die Arbeiter müs-sen flexibler sein, nicht nur, was die Arbeit betrifft, sondern auch den Ort der Arbeit.
3. Die neuen Techniken, die Computer, die Roboter usw. erfordern ein vertieftes Anlernen, was die Entlassung von nicht wenigen Arbeitern und Angestellten bewirkt. Die Kon-sequenz: Postbüros, Bankfilialen ver-schwinden und werden durch elektronische Post- und Bankdienste ersetzt.
4. Die Gewinne müssen immer größer sein, größer als im Vorjahr. Der Gewinn ist das wichtigste Prinzip der Unternehmer. Und die soziale Sicherheit ist mehr und mehr be-droht. Diejenigen, die die großen Ge-winne machen, die großen Aktionäre, bezahlen verhältnismäßig wenig Beiträge. Wenn der Staat wirtschaftlicher arbeiten will, ist das zum Schaden der sozialen Fürsorge: Sozialversicherung, Pension. Arbeitslo-sigkeit. Die Konzernchefs verdienen über-mäßig hohe Summen.
5. Auch die Natur leidet darunter. Denn die Gewinne der Unternehmen im Bauge-werbe, im Erdöl, im großen Viehhandel haben den Vorrang vor dem Gemeinwohl, der Natur und dem Wald.
6. Die Arbeit wird ständig beschleunigt zum Nachteil der Anzahl von Arbeitern: die Briefträger müssen rennen, um ihre Runde zu machen, so wie die Reinigungsdienste in den Straßen und die Arbeiter in der Müllabfuhr. Tempo!!!! Tempo!!! Immer mehr Überstunden, weniger feste Arbeitsverträge. Immer mehr Leiharbeiter. Mehr und mehr ge-stresste Menschen oder solche, die unter Burnout leiden.
7. Wir entwickeln uns auf eine Arbeitswelt mit hochqualifizierten Personen zu, zum Profit einer Minderheit von Leuten in einer mehr und mehr mechanisierten Gesellschaft. „Was bedeutet noch „die Arbeitswelt“? Arbeiter, die solidarisch mi-teinander arbeiten, werden ersetzt durch große Maschinen, durch Monster, bedient durch einen überforderten Menschen. Immer weniger Hilfsarbeiter.
8. Trotz der großen Zahl von Arbeitslosen muss man immer länger arbeiten bis zur Rente.
9. Dennoch finden die Arbeiter immer wieder die Mittel und die Motivation, um sich gegen Ungerechtigkeit, die niedrigen Löhne, die Umweltzerstörung zu weh-ren. Der liberale Neokapitalismus, ist er nicht zu einer Ideologie geworden, ebenso unheilvoll und totalitär wie viele andere Ideologien? Eine Freiheit, die nicht zu Diensten der Gleichheit und der Brüderlichkeit ist, entwickelt sie sich nicht eher zu einem Machtmissbrauch?

Beitrag aus Deutschland

Mit der Frage nach der Arbeit und wie sie uns verändert hat im Laufe unseres Lebens stoßen wir ein wenig auf den Kern der Gemeinsamkeit unseres Kreises.
Es ist eine Art des Lebens, die sich von der ursprünglich akademisch-theologischen Aus-bildung entfernt hat. Manche von uns nannten es Orts-, seltener sogar Klassenwechsel. Die vor allem in Deutschland für Theologinnen und Theologen vorgezeichnete quasi verbeamtete Kir-chenlaufbahn, als Pfarrerin oder Pfarrer, hauptamtliche Theologin oder Theologe zu verlassen, quasi zu wechseln.
C. hört die Aufforderung zur Menschwerdung schon am brennenden, aber nicht verbrennenden Dornbusch (Ex 3); der «Ortswechsel» war die Erkenntnis an diesem «Heiligen Ort», der «Auszug aus Ägypten» in ein neues Land.
„Letzte Woche bin ich zusammen mit allen Kolleg*innen meines Berei-chs nach fast zehn Jahren als Inventur-Helferin gekündigt worden. Zwar gibt es das Angebot, dass wir alle von einem anderen Inventur-Unternehmen übernommen werden. Dennoch ist es eine deutliche Zäsur und bedeutet viel Unsicherheit.
Zugleich ist es für mich ein Anstoß zurück zu schauen, wie mich die Erfahrungen in die-ser Arbeit geprägt haben. Vor allem sind das die Beziehungen mit meinen Kolleg*innen, von denen einige ebenfalls schon Jahre in unserem Team arbeiten…“, schreibt M.
Aufgrund einer fehlenden praktischen Berufsausbildung hatten wir keine Wahlmöglichkeit bei der Arbeitssuche und wollten es auch nicht. Einige von uns haben sich im Laufe ihres Arbeitslebens für eine Berufs-ausbildung entschieden wie G. Der Ort der Arbeit wurde dadurch noch mehr zur Heimat.
Die Arbeitssituationen haben wir auch als Akt der Solidarität verstan-den – oft ohne Worte, wie M. schreibt. Und mit dem biblischen Ver-ständnis des Lebens Jesu und seiner Berufung auf den Gott, der die Ar-men befreit, begründet.
Heute bedeutet dies für diejenigen, die noch beruflich aktiv sind, oft Service- oder Pfle-gearbeiten jeglicher Art. Und damit teilen wir das Schicksal von Millionen allein hier in Deutschland. Menschen, die nicht selten noch nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn von 9,19 € in der Stunde erreichen. Und Menschen, die oft kaum oder kein Wort in deut-scher Sprache verstehen.
Ebenso zentral wie die Arbeit ist uns der Wohnort. In den meisten Städ-ten des Ruhrgebiets gibt es eine klare Nord-Süd-Trennung: Im Norden wohnen die Armen und Migranten, im Süden die Reichen. Also wohnen wir natürlich im « Norden », da wo bei den Kommunalwahlen weniger als 20% wählen gehen und wenn, dann rechts, AfD.
C. beschreibt die WG-Naunynstraße als den Ort, an dem er ein wenig das grenzenlos einladende Wort Jesu hörte, den missionarischen Ruf zum Hinsehen: «Kommt und seht!» (Jo 1,39)
Wenn wir dies nicht nur als Experiment zur Selbsterfahrung, sondern als eine existenzielle theologisch-spirituelle Bestimmung unseres Glau-bens begreifen, dann hat dies « in the long run » des Lebens zumindest Konsequenzen im Verstehen.
G. schreibt von der kontemplativen Dimension in der Monotonie und von der « Berufung » zur Gemeinschaftlichkeit mit den Kolleginnen in der Arbeit. Wörtlich : »Ich glaube, dass nur wenn es die innere Freude am betrieblichen Dasein gibt, es Perspektive hat für einen persönlich und für Andere…»
M. nennt es das „Vertrautwerden mit den Kolleg*innen. Gerade im Ser-vicebereich kommen Menschen unterschiedlichster Lebensentwürfe zusammen mit den Brüchen, die es in ihrem Leben gegeben hat… » In der Reflexion geht es uns um Welt, Gerechtigkeit, Kirche, Glauben.
Als Kinder der Bürgerlichkeit sehnen wir uns nach Stabilität der Le-bensumstände. Ein Merkmal aber der Arbeit im Ortswechsel ist die Un-sicherheit. Ich selbst habe dies nach 18 Jahren in einem Textilbetrieb und freigestellter Betriebsratvorsitzender miterlebt: Den kompletten Untergang des Betriebs. Andere unseres Kreises haben gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht. Damit einher geht eine finanzielle Un-sicherheit, die Stück für Stück das gesamte Leben zu prägen beginnt. So, wie es den Kolleginnen und Kollegen auf der Arbeit ergeht.
C. schreibt im Abstand von so vielen Jahren, die er nicht mehr in der Auseinandersetzung im Betrieb ist, provokant von einem latenten «Ekel der Bürgerlichkeit».
Eine andere, wichtige Erfahrung ist, dass der Ortswechsel, die Bewäl-tigung der Arbeit nicht ohne Verletzungen und Verwundungen ge-schieht. Realsymbol ist für mich selbst der Verlust des rechten Zeige-fingers zu Beginn meiner Arbeit geworden. Langfristig wirken sich die Folgen der Schichtarbeit, die Rücken- und Knochenbelastung, Erschöp-fung und Müdigkeit aus. Dabei, darauf weist G. zu Recht hin, innere Verletzungen gibt es mindestens ebenso in den pastoral-kirchlichen Be-rufen. „Ich muss mich bei der Arbeit anstrengen, sehe wie die jungen Kollegen deutlich schneller und leistungsfähiger sind und bin abends einfach müde. Wenn es meine Gesundheit erlaubt, die mich behalten wollen und die Firma bestehen bleibt, würde ich gerne noch bis zur Rente da arbeiten. Mir kommt innerlich vor allem das Wort „HYPOMONE“ aus dem Philipperhymnus: Drunter bleiben, weiterma-chen, „gehorsam – so wird es ja übersetzt“, konsequent die Entschei-dung von vor vielen Jah-ren fortführen bis zur Rente…“, schreibt T.
Wir leben an unserem Ort der Arbeit nicht isoliert, sondern in der Ge-meinschaftlichkeit mit Kolleginnen und Kollegen. Ob heute auch noch das Wort « Solidarität » gelten würde? Wichtig und zentral ist jeden-falls der Kontakt, manchmal auch die Freundschaft zu Kolleginnen und Kollegen.
Trotz allem Bitteren der Betriebsschließung vor 10 Jahren kamen wir vor wenigen Wochen mit vielen Kolleginnen und Kollegen der alten Fir-ma zusammen, um einen jüngeren Kollegen zu beerdigen. «Das alles hat über die Jahre bewirkt, dass mich immer weniger ein Ideal prägt, sondern dass das einfach mein Leben ist mit seinen belastenden und mit seinen schönen Seiten…“, schreibt M.
Arbeit, die Arbeitsbeziehungen und der Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit hat schon immer unsere Reflexionen begleitet. Die Globa-lisierung macht den Gegensatz nicht kleiner, sondern hebt ihn auf die globale Ebene: Dem Kapitalismus zu widerstehen versuchen, auf der Arbeit, aber auch bei anderen Aktivitäten.
Manche von uns sind Betriebsräte geworden, obwohl dies in letzter Konsequenz Kooperation mit dem Kapital bedeutet – gemäß dem Be-triebsverfassungsgesetz. Persönliche Kontakte und Verbundenheit mit den Kolleginnen und Kollegen sind Basis eines solchen Engagements, ebenso wie die Leute der Gewerkschaft vor Ort.
Der globale Kapitalismus hat die Arbeitsbedingungen verschärft. Die vieldiskutierte Frage der Migration schafft aus Sicht des Kapitals eine weltweite industrielle Reservearmee, teilweise eben hier in den west-lichen Ländern, teilweise in der Wertabschöpfung der Länder des Sü-dens: Kolleginnen und Kollegen aus Südosteuropa, Geflüchtete mit ein-geschränkter Arbeitserlaubnis, Zeitarbeits- und Verleihfirmen, die ei-nen zusätzlichen Ausbeutungskreislauf in Gang setzen. Gegen die zu-nehmende Entsolidarisierung, dieses «Gift», wie M. schreibt, die gegen-seitige Konkurrenz bis in die Arbeit hinein, dagegen « sich zu stem-men », das tut not und ist uns wichtig.
Aus der Erfahrung der Arbeit und des Wohnens gibt es keine Akzep-tanz oder Versöhnung mit der ökonomisierten Gesellschaft. Auch wenn es in dieser Zeit keine gesellschaftliche Vision gibt, im persönlichen und gemeinschaftlichen Leben versuchen wir gegen die Ökonomisie-rung zu leben.
In den Jahren des Lebens in der Tradition der Arbeiterpriester haben wir auch die Kirche verloren. Nicht unbedingt, weil wir uns explizit abgewandt haben. Sondern die Auflösung der römisch-katholischen und evangelischen Kirche als « religiöse Ordnungsmacht » hat an Fahrt und Geschwindigkeit zugenommen.
Zusätzlich nun die Krise um die sexuelle Gewalt, die sich als ein Struk-turproblem «Pastoraler Macht» erweist. Möglicherweise wird sich vor allem die römisch-katholische Kirche in den westlichen Ländern von dieser Glaubwürdigkeitskrise nicht mehr erholen. «Die Kirche wird ge-gen die Wand gefahren», schreibt C. »Aber wir sind nicht die Retter…»
Für uns alle ist es die Herausforderung, einen eher mystischen Zugang zum Glauben zu bewahren oder wiederzugewinnen, möglichst unab-hängig von Institution(en). Das könnte auch unseren ganz persönlichen interreligiösen Zugang stärken und beleben. « Damit hängt zusammen, dass sich auch mein Gebetsleben verändert hat. Über Jahre gehörte eine längere ausdrückliche Gebetszeit grundsätzlich zu meinem Tages-ablauf. Die ist mit der Zeit weniger wichtig geworden, ohne dass meine Gottesbeziehung weniger intensiv geworden wäre. Die jedoch kann ich immer weniger mit Worten beschreiben. Irgendwie hängt alles mit al-lem zusammen. Gebet, Arbeit, Erschöpfung, Freude, Beziehungen, Ein-samkeit, alles ist Gegenwart. Und das viel einfacher, als solche großen Worte nahelegen…“, schreibt M.

Beitrag aus England

M. sagt: Ich arbeite festangestellt im National Health Service (Staat-licher Gesundheitsdienst). Ich bin Psychotherapeutin. Aber die Spar-maßnahmen betreffen viele meiner Patienten, die unter geistig-seeli-schen Krankheiten leiden. Armut ist ein Problem, der Mangel an ange-messenen Arbeitsplätzen, die Verringerung/die Beschränkungen der Arbeitslosenunterstützung und auch die Tatsache, dass alle Anträge ausschließlich am Computer ausgefüllt werden können. Das ist zu schwierig für diejenigen, die keinen Internetzugang haben, oder für je-ne, die nicht fließend lesen und schreiben können.
Der Universal Credit (staatliche Arbeitslosenunterstützung) ist proble-matisch, weil es immer zu einer Verzögerung kommt vom Moment der Antragstellung bis zur eigentlichen eigentlichen Auszahlung. Hier eini-ge Beispiele von Patienten (deren Namen ich geändert habe):
– P. geht es seit einiger Zeit etwas besser. Da er aber viele Jahre nicht gearbeitet hat, sieht sein Lebenslauf schlecht aus, und es ist für ihn fast unmöglich Arbeit zu finden.
– I. ist ein Flüchtling, der im Schreinern ein großes Geschick hat. Da er aber noch nicht gut genug Englisch beherrscht, um ein gewisses Sprachzertifikat zu erwerben, kann er auch keine Stelle suchen – für die dieses Zertifikat nämlich die Voraussetzung wäre.
– J. leidet unter Depressionen. Sie bewältigt ihre persönlichen Finanzen nicht. Deshalb hat sie unter anderem Mietrückstände. Sie ist verschul-det und schwebt in der Gefahr, aus ihrer Wohnung geräumt zu werden.
– N. leidet unter Panikattacken. Die Sachbearbeiter in der Arbeitsbe-hörde erwarten, dass sie eine Beschäftigung aufnimmt, weil sie kör-perlich fit ist. Aber sie hat Angstzustände, wenn sie große Gebäude be-tritt. Das wird jedoch nicht weiter berücksichtigt.

Und ich? Wie verändern mich diese Begegnungen? Wir sind ein kleines Team, was dazu führt, dass wir Dinge tun müssen, für die wir eigentlich nicht ausgebildet sind, z.B. Arbeitslosengeldanträge ausfüllen. Ich habe mich erniedrigt, weil ich viel habe und sie wenig. Allerdings haben sie viel Mut. Ich bin wütend auf die Regierung, die offenbar nichts weiß oder nichts wissen will von der Situation der Armen. Im Reich Gottes werden die Armen die Ersten sein, und wir Reichen werden bis zum Schluss warten müssen.

P. sagt: Nach meinem Studium als Chemie-Ingenieur habe ich in einem großen internationalen Chemie-Konzern angefangen. Ich habe in einem Großraumbüro mit vielen an-deren jungen Ingenieuren gearbeitet, je-der mit anderen Aufgaben und für andere Produktionsstätten inner-halb des Konzerns, aber doch zusammen an einem Ort, wie in einem „Dorf“, also mit einem beruflichen und sozialen Netzwerk, in dem wir uns auch unterstützen oder ermutigen konnten. Drei Jahre lang war ich für eine unserer Fabriken in Nordengland zuständig, wo ich ein weite-res „Dorf“ entdeckt habe: die Menschen, die an diesem Standort arbei-teten und lebten. Zehn Jahre später sind alle Ingenieure an andere Orte und in andere Fabriken versetzt worden. Ich war dann in einer Fabrik, in der Kohlenwasserstofffasern hergestellt wurden, in einem Betrieb mit etwa 200 Beschäftigten – noch ein kleines „Dorf“. Während dieser Zeit bin ich zum Priester geweiht worden, und zwar in Kenntnis und auch mit der Unterstützung vieler Kollegen und der Chefs in meiner Firma. Ein „Dorfpfarrer“?
Weitere zehn Jahre später wurde ich aufgrund von Umstrukturie-rungen und der Macht der großen internationalen Konzerne entlassen und habe in einer Beratungsfirma angefangen. Obwohl ich auch dort noch ein „Basis-Team“ im Büro in Birmingham hatte, war ich doch die meiste Zeit unterwegs, um die Kunden in verschiedenen Firmen und Ländern aufzusuchen und jeweils dort zu arbeiten. Ich war immer etwa ein bis zwei Wochen an einem Ort.
Meine Arbeit läuft auch heute noch in dieser Form weiter, inzwischen allerdings ohne jedwedes Arbeitskollektiv – kein gemeinsames Büro, keine dauerhaften Kollegen.
Und ich? Mein Arbeitsleben hat sich in einer Zeit großer Umbrüche in den industriellen und wirtschaftlichen Strukturen abgespielt, Umbrü-che, die sehr viele Menschen getroffen haben, die nämlich jetzt ohne feste Verträge arbeiten müssen oder gar keine Arbeit mehr haben.
Ich habe von „Dörfern“ gesprochen.
Für mich ist die wichtigste Frage: Wo können diese Menschen jetzt noch solche „Dörfer“ finden, Orte oder Gruppen, wo sie gesehen, gewert-schätzt und unterstützt werden und woo sie in sozialen Beziehungen le-ben? Und wie kann ich meine Rolle als Priester in dieser neuen Situa-tion verstehen? Ich bin froh, mit vielen anderen Menschen diese Situa-tion zu teilen – d’être avec –, und versuche, außerhalb der Pfarrei-Strukturen zu bleiben, außerhalb des „Dorfes“, um ein Leben unter-wegs zu finden.

Und für uns zusammen? (S.)

Es scheint uns derzeit mehrere Aspekte von wirtschaftlichen Verän-derungen zu geben. Manche sind uns willkommen. Wenn wir z.B. von all den Gefahren der Klimaveränderung hören und von den Folgen unse-res Plastikkonsums in den Weltmeeren, dann sind wir froh darüber, dass die Plastikproduktion verringert und die Produktion neuer Die-sel-Modelle völlig ausgesetzt wird.
Dadurch werden manche Produktionsstandorte geschlossen. Das ist die Kehrseite der Medaille für diejenigen, die dort ihre Arbeit hatten. Für die Zukunft unseres Planeten sind die Veränderungen sehr will-kommen. Aber ganze Städte, die von solchen Industrien gelebt haben, gehen einer prekären Zukunft entgegen. In Swindon z.B. hat Honda an-gekündigt, die Automobilproduktion einzustellen: etwa 5.000 Beschäf-tigte werden dann entlassen. Und dann gibt es noch ungefähr weitere 10.000 Menschen, die als Zulieferer von dieser Fabrik abhängen.
Die neuen Technologien führen zu weiteren großen Veränderungen im industriellen Arbeitsprozess. Viele Beschäftigte sind davon betroffen und können ihre Hoffnung verlie-ren. Was können wir beitragen, um sie zu ermutigen?

Und für die Kirche?

Die anglikanische Kirche von England hat anerkannt, dass es Berufun-gen zum Priester/ PfarrerIn am Ort der Arbeit gibt. Allerdings sucht die Kirchenleitung derzeit im Kontakt mit den Betrieben, vor allem mit den Firmenleitungen, die offizielle Bestätigung solcher „Stellen“. Aber dieses Modell ist seit dreißig Jahren überholt. Das galt, als es noch Großbetriebe mit Bürokollektiven und festen Arbeitsplätzen gab.
Uns scheint, dass die Kirchenleitung überhaupt keinen Einblick in die heutige Arbeitsrealität hat. Sie verstehen nichts von den Veränderun-gen, die wir selbst erlebt haben, von den Verschiebungen hin zu prekä-ren Arbeitsverhältnissen, zu größerer Flexibilität mit verschiedenen Kunden oder in unterschiedlichen Firmen. So bleibt uns nichts, als der Kirche die Arbeitswelt wieder und wieder zu erklären.

Kohelet 3, 9-13, 22 (Version nach Louis Segond)
Welchen Vorteil hat der Mensch von seiner Arbeit? Ich habe gesehen, welche Sorgen/Be-schäftigungen Gott dem Menschensohn auferlegt. Jedes macht er gut zu rechten Zeit. Er hat dem Menschen sogar den Sinn für die Ewigkeit ins Herz gelegt, gleichwohl der Mensch das Werk Gottes nicht fassen/begreifen kann, vom Anfang bis zum Ende.
Ich habe erkannt, dass es kein Glück gibt, außer sich zu freuen und es sich gut gehen zu lassen im Leben, aber dass es, wenn ein Mensch isst und trinkt und sich daran freut inmitten all seiner Arbeit, eine Gabe Gottes ist. Und ich habe gesehen, dass es nichts Besseres für den Men-schen gibt, als sich an seinen Werken zu freuen: das ist sein Teil.

Beitrag I aus Frankreich von J.- L.

Ich schicke Euch einen kleinen persönlichen Beitrag, denn ich habe in den letzten Monaten keine Gelegenheit gehabt, andere Arbeiterpries-ter zu treffen. Wie bin ich verändert worden (eventuell) durch meine Erfahrung in einer Arbeitswelt, die durch bes-stimmte wirtschaftliche Beschlüsse geprägt ist? Die Frage ist weitreichend, ein wenig vage für mich; sie kommt aus einem Kompromiss, Wort für Wort, von der Vor-bereitungsgruppe.
Es ist im Allgemeinen klar, in Frankreich und in Deutschland und fast überall, erleben wir eine Zunahme der Präkarisierung der Menschen die sozial gesehen in einer zerbrechlichen Situation sind. Alle wissen das und es ist ein Allgemeinplatz. Was mich betrifft, so habe ich 1993 Arbeit gesucht im Reinigungswesen, weil ich wusste, dass ich in diesem Milieu etwas finden konnte ohne ein berufliche spezifische Ausbildung und weil ich ein wenig das Leben der Menschen teilen wollte, die eben keine andere Möglichkeit hatten etwas anderes zu machen, auch wegen ihrer ausländischen Herkunft. Man spürt eine gewisse Beschleunigung der Präkarisierung, vor allem seit den Reformen im Arbeitsgesetz in Frankreich in den letzten 10 Jahren. Aber weil ich nicht oben war, bin ich nicht tief gefallen. Seit 1993 habe ich fast ununterbrochen in der Reinigung gearbeitet.. Die Präkarität besteht manchmal in einem zeit-lich begrenzten Arbeitsvertrag, der nicht in einen unbegrenzten Ver-trag übergehen kann. Es besteht auch manchmal darin, dass bestimmte Punkte des Tarifvertrags nicht angewendet werden. Und dann passiert nichts, weil die Kollegen es nicht wissen oder nichts sagen. Die Preka-rität nimmt vor allem das Gesicht von Situationen ein, in denen man sich nicht respektiert fühlt von den „kleinen Chefs“ (auch nicht von den großen) und von den Personen, die man bei der Arbeit antrifft. Einige sind sympathisch. Andere beachten dich nicht, weil du nicht der diensthabende Diener bist. Die Leute werfen alles einfach weg, und wir müssen es einsammeln. Der liebe Charles de Foucauld sammelte die Gedichte seiner Tuareg ein; ich, ich sammele ihren Dreck ein.. Man macht halt, was man kann. Sehr oft besteht die Prekarität auch darin, dass wir nichts zu sagen haben, sondern dass wir schneller machen müssen, um die aufgetragene Arbeit in der vorgegebenen Zeit zu been-den. Wenn es ein Angebot für eine Reinigungsaufgabe gibt, dann erhält oft das Unternehmen den Vertrag, das die niedrigsten Preise anbietet. Und weil es seine Gewinnmarge behalten will, müssen wir die Konse-quenzen tragen: den Stundenlohn kann nicht herabsetzen, also wird die vorgegebene Zeit für eine Leistung verringert. Ich habe in einem Dutzend von Reinigungsfirmen gearbeitet. In nur einem dieser Unter-nehmen war es für mich möglich, mich als Gewerkschafter zu Diensten der Kollegen zu engagieren. Das ist lächerlich, aber halt prekär, dass man etwas unternimmt, um den Kollegen zu helfen und den Schaden zu begrenzen. Wir sind nicht viel gegenüber der Direktion!
All die Jahre hindurch bin ich verändert durch diese Erfahrung der Ar-beitswelt. Ohne Zweifel können die anderen noch besser davon Rechen-schaft ablegen als ich. Was mich nach und nach, von einem Tag zum an-deren, verändert, ist die Tatsache, jeden Tag arbeiten zu gehen „wie al-le anderen“. Es ist eine Schule des Realismus und der Treue zu dem Leben, wie es nun mal ist. Manchmal bin ich so richtig kaputt, aber ich sage zum Herrn: „ Ich weiß, dass Du mich liebst und ich bin für Dich da.“ Die Handarbeit, sich wiederholend, ist etwas Strenges. Aber ich glaube, dass das alles mich wachsen lässt an Menschlichkeit und Früch-te bringt für das Reich Gottes. Es ist wie das Rendezvous des schweigen-den Betens. Man muss da sein. Durchhalten in dem Vertrauen. Das ist alles. Der gute Gott übernimmt den Rest.

Beitrag II aus Frankreich von J.-M.

Wie bin ich verwandelt worden durch meine Erfahrung „in der Arbeits-welt, die durch bestimmte wirtschaftliche Entscheidungen geprägt wurde?
Ich habe die lohnabhängige Arbeit im Januar 2017 beendet, nach 22 Jah-ren lohnabhängiger Arbeit als Erzieher. Ich habe eine Ausbildung ge-macht, um als Erzieher zu arbeiten. Warum dieser Beruf? Ich habe 6 Jahre in einem Familienbetrieb gearbeitet, das war eine Forstwirt-schaft mit einem Sägewerk und einer Abteilung von sonstiger Holzver-arbeitung. Um dies machen zu können, habe ich ein Diplom gemacht, um Leiter des Unternehmens zu werden. Nachdem ich die Nationale Holzschule besucht habe, die die Kinder der französischen Holzindu-striellen versammelte, habe ich mich nicht mehr als einfacher Arbei-ter in einem Unternehmen gesehen, mit dessen Besitzer ich die Schul-bank gedrückt hatte. Da ich an Freizeiten von Jugendlichen zusammen mit der MRJC (Landjugendbewegung der christlichen Jugend) teilge-nommen hatte, hat mich die Ar-beit als Erzieher angelockt.
Eines Tages habe ich Erzieherinnen von Jugendlichen getroffen, die von der Sozialhilfe für Kinder betreut wurden: ich habe da einen Beruf ent-deckt, der viel erfordert, aber schlecht anerkannt wird Das stellt das untere Ende der Leiter der spezialisierten Erziehung. Das ist die Ar-beit, die ich annehmen wollte, seit ich mich auf die Suche nach Arbeit nahe bei den Jugendlichen in schwieriger Situation begab.
Ich habe zuerst als Aushilfe gearbeitet, dann habe ich die Prüfung des Erziehers gemacht, um letztlich von meinen Kollegen als Professio-neller anerkannt zu werden. Ich habe eine große Solidarität unter den Erzieherinnen und Erziehern entdeckt und auch zur selben Zeit Orien-tierungen in voller Entwicklung erhalten. Vor den Jahren 2 000 waren die Verantwortlichen in der Struktur, meist Verbandsmitglieder, spezi-alisierte Erzieher, die ihren „Beruf“ hatten, wie man sagt, und die wuss-ten, wie man es macht und so Experten waren.
Ich habe angefangen zu arbeiten, nach und nach, als die Verantwortli-chen Professionelle in der Verwaltung der Einrichtung geworden sind, gute Verwalter, aber sehr oft weit weg von der direkten Erziehungsauf-gabe. Das ergab manchmal sehr verwirrte Situationen, wo der Direktor Entscheidungen traf zum Beispiel was das Budget betraf. Das führte dann zur Unterdrückung von Geldern für Freizeiterziehungsmaß-nahmen, und nach und nach zur Absenkung des Budgets Jahr für Jahr. Es blieben dann nur noch die Wochenenden und die Ferien zu genießen ohne erzieherische Ziele (Fernsehen, Eisbahn, Kino, Ballspiele etc).
Meine letzte Arbeit war in der ESAT (Einrichtung für die Unterstützung und Hilfe zur Arbeit), die Erwachsene mit intellektueller, psychischer und mentaler Behinderung auf-nahm. Ich war angestellt, um eine Schreinerwerkstatt zu leiten, die eine Abteilung für Brennholz hatte. Das ist eine stark physische Arbeit, die sich dem Handwerk nähert. Denn ich musste Lösungen finden, Stücke für die Fabrikation entwer-fen und zeichnen, dann Kostenvoranschläge machen und das alles der Chefin der Werkstatt vorlegen. Sie verstand nichts vom Holz, war aber eine gute Verwalterin. Auch da geriet ich in Situationen, wo ich die Be-ziehung zu Kunden niemals allein durchführte. Die Equipe, der ich vor-stand, war sehr unterschiedlich und ich musste jede Fabrikation den Personen in Funktion ihrer Fähigkeit anpassen. Das ist die Arbeit des Werkstattleiters. Eine sehr anstrengende Arbeit und von der Direk-tion wenig anerkannt. Sie zögerte nicht, diese Werkstatt nach 5 Jahren zu schließen. Denn nach Aussagen der Chefin brachte sie nicht genug ein. Ich habe erklärt, dass diese Arbeit sehr geeignet ist für Personen, die jede für sich eine Arbeitsstelle nach Maß finden könnte. Zudem hatten wir Werkstätten außer-halb. Das erlaubte es, den Menschen und dem normalen Leben außerhalb der Einrich-tung zu begegnen. Aber die Direktion hat mein Ausscheiden in die Rente abgewartet, um alles zu schließen. Meine Kollegen der anderen Werkstätten (Wäscherei, Arbeit im Grünen, Kunstschmiede, Klimaanlagen) und ich selbst, wir hat-ten nichts zu sagen. Es ist zwei Jahre her, dass ich weggegangen bin. Ich begegne manchmal Kollegen, die mir sa-gen dass die ESAT nach und nach dazu übergeht, nur noch Werkstücke für die Industrie herzustel-len. Nicht besonders begeisternd für Arbeiter mit Behinderung.
So habe ich es gelernt, den Anordnungen meiner Chefin und dem Direktor zu gehor-chen und ihre Widersprüchlichkeiten runter zu schlucken. Ich war nur ein Angestellter. Mit welchem Recht und im Na-men welcher Autorität hätte ihren Entscheidungen widersprechen kön-nen? Als Belegschaftsvertreter habe ich meine Kollegen verteidigen kön-nen und auch die Vorteile meiner Werkstatt für die Personen mit Behinderung. Das hat der Folge der Ereignisse keine Früchte erbracht.
Für die Leitung des Unternehmens ausgebildet, hatte ich die Entschei-dungen zu akzeptieren, die ich selbst nicht getroffen hatte und in die ich nicht eingebunden war. Ich war im Range meiner Kollegen und stellte eine prekäre Solidarität in den harten Schlägen fest. Die Füh-rungsart unseres Werkstattleiters war es zu teilen, und so die Hand über die Entscheidungen und die Angestellten zu halten. Ich habe gelebt, was viele gelebt haben und leben: von einer Autorität abhängig sein,, die Zusammenhanglosigkeiten zu verdau-en. Dieses zu leben bedeutet. Sich auf das Niveau der Kleinsten in der Einrichtung zu be-geben und dabei die Erwartungen der Behinderten zu verteidigen. Die-se Abhängigkeit hat mich zur Gewerkschaft geführt: ich habe feststel-len können, dass wir die ganz einfach die elementaren Rechte vertei-digten: nämlich die Verantwortlichkeit auszuüben, die einem anver-traut war, die aber öfter durch die Chefin kurzgeschlossen wurde, das Recht auf Bildung und Verteidigung, wenn einer von uns durch eine missbräuch-liche Kündigung bedroht wurde, weil er „zu viel fehlte ???“
Die Gründe, die mich bewogen haben, mich diesem Volk der Kleinen anzunähern, sind vielfältig. Vielleicht ist das verbunden mit meiner Geschichte, die mich sensibel gemacht hat für die Bedingung des Ar-beiters zunächst im Familienbetrieb. Die Seligpreisungen im Lukas-evangelium sagen: „Selig die Armen, glücklich diejenige, die Hunger und Durst haben“. Die Armen, die Enterbten, diejenigen, die offen-sichtlich auf die Seite geschoben werden, die Unglücklichen sind dem Herzen Gottes am teuersten. Ich wurde angezogen, um mit ihnen zu leben, durch die Arbeit und durch die Wohnung. „Wir anderen, Leute von der Straße, glauben mit all unserer Kraft, dass diese Straße, dass diese Welt, wohin Gott uns gesetzt hat, für uns ‚der Ort unserer Heilig-keit‘ ist“ (Madeleine DELBREL)
Es ist dieses Leben, das mich zu dem Kollektiv der Arbeiterpriester geführt hat, das mich in der Folge dazu gebracht hat, zu akzeptieren, Delegierter bei der Arbeitermis-sion meiner Diözese zu werden. Und wenn der Bischof mich gefragt hat, heute zugleich Gefängnisseelsorger zu sein, ist das für mich eine Fortsetzung dieser Nähe. Der große Un-terschied ist, dass ich nicht mit ihnen lebe.

Beitrag von M. aus Italien

Ich habe 1972 als ganz junger Priester angefangen zu arbeiten. Diese Entscheidung hatte ich mir während der Studienjahre im Seminar gut überlegt. Ich habe nicht in der Pfarrei gelebt. mein Priester-Dasein war in die Arbeitswelt eingebunden. In Italien genießen die Priester Privilegien, und ich habe immer auf der „gratuité“ (der „Kostenlosig-keit“) des Amtes bestanden. Nach einer ersten Erfahrung in einer Fabrik in Milano, die ich auf Eingreifen des Kardinals hin abbrechen musste, habe ich bei zwei Handwerkern angefangen, von denen ich den Beruf, oder besser die Kunst, des Tischlerns erlernt habe. In Ausübung meines Berufs hatte ich, wegen der Möbel, Zugang zu den Häusern. Das gab mir Gelegenheit, mit den Menschen zu sprechen und ihnen zuzuhören.
Das waren die Jahre, in denen der Stadtrand von Rom eingenommen wurde von Men-schen aus dem Süden, auf der Suche nach Arbeit. Die Dörfer im Umland wurden ihnen ganz „überlassen“, so wie sie waren: ohne jegliche nötige Versorgung wie Wasser, Gas, Strom, Schulen, Apo-theken, Kanalisation. Jahrelang habe ich in einer Sakristei (3×2 qm) gewohnt, in feuchtem Gemäuer. Ich spüre noch die Folgen dieses Lebens. Indem man den Menschen zuhört, hat man die Möglichkeit, die wahren Bedürfnisse zu verstehen. Aus diesem Grund habe ich an allen Kämp-fen für die soziale Versorgung teilgenom-men, einschließlich der Besetzungen, die manchmal gefährlich waren.
Der Plan, nach dem ich leben wollte, waren die Seligpreisungen des Evangeliums.
„Selig die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich.“
Die Erfahrung der Arbeit mit den Anderen hat mich verstehen lassen, dass es die Ar-men sind, die die Möglichkeit eröffnen, eine wirklich menschliche Welt zu erbauen, nicht die Reichen, die sie nach ihrem eigenen Bilde und ihnen ähnlich gestalten. Indem ich als Illegaler(oder wie ein Illegaler?) in einem Gebiet gelebt habe, wurde mir die Be-deutung einer bewohnbaren/lebenswerten Stadt klar. Dadurch dass ich Ausgegrenzte aufnahm und mit ihnen lebte, wurden mir die Probleme von Ausgrenzung, Migration und Flucht bewusst. Das Himmelreich ist nichts Anderes als eine wirkliche Alternative, spürbar und wahrhaftig menschlich. Als ich meinen Dienst begann, hatte ich vor, die Armen zu evangelisieren, aber dann waren sie es, die mich evangelisierten.
„Selig, die weinen, denn sie sollen getröstet werden.“
Weinen bedeutet, den Schrei derer hörbar zu machen, die Unrecht erleiden und gleich-zeitig Sprecher für denjenigen zu werden, der schreit. Ich habe Flüchtlinge aus Somalia, aus dem Kosovo, aus Albanien, Algerien aufgenommen. Ich habe ihre Schreie und ihr Leiden gehört, und das hat mich dazu bewegt, menschliche Lösungen zu suchen – Wohnraum, Annahme, Arbeit, Würde. Trösten meint nichts Anderes als zu teilen und nahe zu sein.
„Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.“
Sanftmut ist Gewaltfreiheit. Als Tischler habe ich versucht, Holz zu verarbeiten aus unseren Wäldern hier, wo Bäume nachgepflanzt wer-den, nicht wie es ist im Amazonas, in den Wäldern Afrikas oder Süd-ostasiens. Wenn wir die Natur respektieren, ist das Land unser Erbe. Wenn wir die Natur zerstören, wird unser Planet nicht überleben. Ich habe mich geweigert, Holz aus diesen Gebieten zu verarbeiten. Sanft-mütig ist auch derjenige, der nicht versucht, die Dinge mit Gewalt zu erreichen. Die Kämpfe für einen lebenswerten Stadtteil hat-ten diese gewaltfreie Methode, die viele Früchte gebracht hat. Und viele Jahre habe in dem Zentrum für gewaltfreie Erziehung gearbeitet, das ich gegründet habe.
„Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erfah-ren.“
Die Arbeit hat mich weicher gemacht. Und heute sehe ich so viele junge Leute in prekä-ren Arbeitsverhältnissen, die keine Sicherheit haben. Sie sind dem Wohl und Wehe des Marktes preisgegeben. „Wenn ich dich nicht brauche, dann geh weg!“, das ist die Philosophie des Arbeitsge-bers. Sie tun mir leid. Aber das reicht nicht. Und ich frage mich: „Was kann ich tun?“. So engagiere ich mich, indem ich vielen von ihnen helfe, ihre eige-nen Talente zu entdecken, damit sie eine Lebens- und Arbeits-weise wählen können, die zu ihren Möglichkeiten passt, vor allem im Handwerk und in der Landwirtschaft.
Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“
Das heißt zu wissen, wie man die Wirklichkeit interpretieren soll, nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen. In der Lage sein, das Leiden und das Positive zu sehen bei denen, denen wir begegnen. Nur so können wir Gott menschlich sehen, der durch Jesus gesagt hat: „Ich hatte Hunger, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich hatte Durst, und ich habt mir zu trinken gegeben.“ Die Reinheit des Herzens ist möglich, wenn wir teilen, wenn wir Arm in Arm leben und zusammenarbeiten.
„Selig sind, wie für den Frieden werken, denn sie werden Gottes Kinder genannt werden.“
Frieden machen, Frieden schaffen, Friede sein. Das bedeutet so zu leben, dass die Umgebung, in der wir leben, wirklich menschlich ist. Wo die Menschen in Frieden leben und arbeiten. Das ist möglich, wenn es Gerechtigkeit gibt und die Rechte respektiert wer-den. Der Ort des Arbeiterpriesters ist dort, wo es viele Probleme gibt, und bei den Men-schen, mit denen er das Leben teilt und mit denen er an einer Lösung arbeitet, um ihr Leben und ihre Würde zu schützen.
„Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.“
Eine Qualität von persönlichem, authentischem Leben gehört dem, der sich einsetzt und kämpft für Veränderung. Und das stößt auf den Widerstand entgegengesetzter Kräfte. Aber das Gute siegt immer, wenn auch nach großer Mühe und mehreren Anläufen. Mein Viertel plagt sich ab, um lebenswerter zu werden, nach Jahren von Versammlun-gen werden Vorschläge umgesetzt, aber immer in einem gewaltfreien Kampf. Wären die Kämpfe gewalttätig gewesen, hätten wir das Gegenteil erreicht.
In welchem Maße hat sich die Arbeitswelt verändert und in welche Richtung sehen wir die Arbeitswelt sich in Zukunft entwickeln?
Der Beruf des Tischlers hat sich total verändert. Das war eine „menschliche“ Arbeit, bei der die handwerkliche Kreativität den Ar-beitstag bestimmte. Heute sind die handwerklichen Berufe und der Beruf des Bauern am Verschwinden. Die Ausbeutung der Erde und ihrer Ressourcen kommt an ein Limit. Welche Zukunft gibt es für die Erde? Das ist eine fundamentale Frage, die uns zu Antworten für eine bessere Zukunft führt. Die Arbeit hängt mit dieser Frage zusammen.
Wir können nicht weiterhin die Ressourcen verbrauchen, um die vielen verführerischen und unnötigen Bedürfnisse zu befriedigen. Rückkehr zur Schlichtheit des Lebens und der Konsumenten.
Wir sind dabei, „Anstellung in Selbständigkeit“ einzuführen. Indem die Betriebe das er-warten, geben sie den Arbeitern scheinbar einen Status von Selbständigkeit, während sie allerdings genauso abhängig weiter-arbeiten, so dass nur die soziale Vorsorge auf den Schultern der Arbeiter abgeladen wird. Das ist ein Mittel, den Steuern (bzw. Sozial-abgaben, Anm. d. Ü.) zu entgehen und sich zu bereichern. Und die Großunternehmer verstecken ihre Gewinne und legen ihre Reich-tümer in Finanzparadiesen an. Auf diese Weise verringern sich die ver-fügbaren Löhne immer weiter, weil die Arbeiter dem Staat das zahlen müssen, was vor-her in der Verantwortung der Arbeitgeber lag.
Die Zukunft ist eine Arbeit, die die Erde, ihre Ressourcen und die Würde der Menschen respektiert. Die neuen Formen der Sklaverei sind prekäre Beschäftigungen, bei denen der Arbeiter 24 Stunden am Tag verfügbar ist, ohne Rücksicht auf seine Freizeit und sein Familienleben.
Der alte Slogan „Weniger arbeiten bringt Arbeit für alle.“
Nicht die großen multinationalen Industrien, die die Regierungen manipulieren und beeinflussen, sondern die kleinen Industrien (Betriebe?) der verschiedenen Bereiche, die das herstellen, was der Bevölkerung dient.

Beitrag aus Katalonien

In wie weit fühlen wir uns verändert durch unsere Erfahrung der Arbeit?
Wir teilen unsren Beitrag in vier Dimensionen auf: die spirituelle Dimension, die theologische Dimension, die pastorale Dimension und die soziopolitische Dimension.

1. Spirituelle Erfahrungen
Heute sind die Entdeckung und die Beziehung mit Jesus nicht dieselbe wie die, deren ich fähig war mit ihm zu unterhalten während der Stun-den vor dem Tabernakel. Jetzt finde ich mich mit ihm in meiner Arbeit, in der Werkstatt, im Zug, auf der Straße, überall dort, wo es Leute gibt: es gibt da das Leben Gottes. (R.).
„Das Leben mit den Armen teilen ist viel lohnenswerter als dafür zu kämpfen, die Armut zu beseitigen“. Hier ist die fundamentale Option der Arbeiterpriester verwurzelt. „leben mit“ statt „leben für“ (I.). Ich glaube, dass der Geist dort ist. Dass er uns begleitet in dem Geheimnis, dass er uns Hoffnung gibt, selbst in den Augenblicken der Ohnmacht ge-genüber dem Bösen. Dieser Glaube erfüllt mich und es ist gut ihn zu feiern, aber es gibt auch das Dunkel (C.). Die Erfahrung der Arbeit hat mich dahin gebracht, die christ-liche Spiritualität zu verstehen nicht als eine Entfernung von dem, was menschlich ist, sondern als eine Ver-tiefung und Erhellung dessen, was wirklich menschlich ist, manchmal so verborgen, und das alles gelebt in der „Dichte der Wirklichkeit“, wie es ein spanischer Theologe sagt (P.). Diese Erfahrung hat mir die Spiri-tualität einer tiefen und ein-fachen Basis gegeben: das, was mich be-wegt sowohl durch das Evangelium als auch durch das Leben der Men-schen im Wohnviertel: der elementare Glaube von einigen Frauen der Pfarrei (wie die Witwe im Evangelium, die zwei Pfennige in die Spen-dendose des Tempels legte. (J.). Durch einen „Appell“ wurde ich hinge-führt zu einem intensiven täglichen Gebet, zu einem immer einfache-ren und strengen Leben. „ Mit wenig Gepäck“ und zu einer Unruhe, an die uns Maurice Cadet immer erinnert hat, indem er uns fragte: Wie geschah unsere Reflexion über den „nicht religiösen Zugang zu Gott“ in Be-ziehung zu den Nicht – Gläubigen und zu vielen Menschen unseres Viertels. (R.)

2. Theologische Erfahrungen
a. Die Inkarnation
Seit langer Zeit versuchen wir, die Tatsache der Inkarnation zu ver-stehen, die uns geholfen hat die Bedingung des Armen anzunehmen und uns hingeführt hat zu der Dynamik des Senfkorns und des Sauer-teigs. Und von dieser Lebenserfahrung und unserem Ministerium aus machen wir „Eucharistie“, indem wir versuchen, in unser tägliches Le-ben das „Tut dies zu meinem Andenken“ zu übersetzen, nicht als einen liturgischen Akt, sondern als ein Geschenk und ein Engagement in dem Sinne, die Inkarnation in der Tiefe zu leben. Sich eingraben, ja bis auf den Grund soweit man dazu fähig ist (Siehe die
1. Begegnung von Spanien im Jahre 1982). Deshalb können wir sagen, dass wir es sind, indem wir Jesus betrachten, und uns stoßen an dem Mysterium, das wir so schwer ver-stehen können. „Langsam im Verste-hen und im Herzen alles zu glauben, was wir den Propheten verkündet hatten! Musste der Messias das nicht alles erleiden? (Lk 24, 25). Und jetzt, wenn ich an die 20 Jahre zurückdenke, die ich körperlich ge-arbeitet habe als Priester (vorher hatte ich schon 12 Jahre gearbeitet) lebe ich das „Sich eingraben“ wie ein fortschreitendes Verarmen, lan-gsam…Ohne Zweifel, das alles ist ein Teil unsrer In-karnation (J.). Ich habe mich durch das Leben selbst hinterfragen lassen: Fakten und Personen, die mir geholfen haben, aus mir selbst herauszutreten, die Schemen, die Dog-men, die ich gelernt hatte, und das hilft mir, das Le-ben als einen Prozess zu begreifen, als einen Weg, den wir nicht allein gehen, sondern in Begleitung von anderen, mit denen wir kommunizie-ren müssen. (C.). (Diese intensive Erfahrung steht in Verbindung mit den „Versuchungen“, über die wir später in den „Pastoralen Erfahrun-gen“ sprechen).
Mit einem Glauben können wir heute so bekennen: „Gott liebt uns und er will das Gute für alle. Gott ist verborgen, er ist Mysterium. Er ist weit weg und nahe. Jesus ist da Bild dieses Gottes und er lädt uns ein, ihm Vertrauen zu schenken. Es gibt keine Liebe zu Gott, wenn es keine Liebe zum Bruder, zur Schwester gibt, Jesus ist der Weg, der zu den Letzten führt, zu den am meisten Verletzbaren. Alle sind aufgerufen, eine gerechte Welt aufzubauen, wo das Leben seinen Sinn erhält. Ein Weg der Liebe zum Feind, der die Gewaltlosigkeit stärkt, das Verzei-hen und den Dialog. Wir glauben an den Geist, der uns im Mysterium begleitet, uns Hoffnung gibt trotz der Augenblicke der Ohnmacht ge-genüber dem Übel. Amen“
Jesus Christus nach folgen unter den Armen, unter den Menschen, die von ihrer Arbeit leben oder überleben. Das ist der Weg, der mich weiterhin begeistert, mit der Inten-tion zu helfen, die eigene Würde als Söhne und Töchter Gottes und das stets bedrohte Projekt der Brüderlichkeit zu entdecken (P.).
b. Die Kirche
Es ist die Erfahrung der Arbeit selbst, die mich zum Realismus geführt hat, die Kirche zu leben und zu lieben als Sakrament der Menschlich-keit. Positiv gesehen, Zeichen und Instrument des rettenden Gottes, ne-gativ betrachtet Zeichen und, oft schmerzlich, Instrument dessen, was dunkel ist in der Menschheit. Ambivalenz, sehr präsent auch in der Ar-beitswelt und auch in mir (P.).
Wir haben in den früheren Jahren eine Art „konfliktuelle Treue“ ge-lebt, um der Kirche treu zu sein in bestimmten lehrmäßigen und pas-toralen Fragen, und erfahren sie auch heute noch.

3. Pastorale Erfahrungen
Versuchungen…
Im zweiten Jahr meines Priesterseins habe ich mich für das Arbeiten bis zu meiner Rente entschieden. Und jetzt, wenn ich an die mehr als
20 Jahre, die ich gearbeitet habe, zurückdenke, dann denke und em-pfinde ich dieses „sich eingraben“ wie eine progressive Verarmung, langsam…
Neben einer Druckmaschine, wo alles oder fast alles gleichmäßig läuft. Das ist ohne Zweifel die Empfindung, dass man das lange (über Jahre) macht und man denselben Lärm hört, dieselben schlechten Düfte… und so fortdauernd Tag für Tag, Jahre.. In der Zwischenzeit fragt man sich oft, wenn man um 5 Uhr 15 morgens aufsteht um zur Arbeit zu gehen, wo man dabei ist, sich mit einer Maschine zu streiten, ob das Leben als Arbeiterpriester wirklich sein Platz in der Arbeit ist und ob die Tatsa-che, dass man da ist, einen Sinn hat, während man doch andere Dinge machen oder sagen könnte, mehr im Einklang mit dem „Priester-sein“.
Und wie oft ist man versucht aufzugeben, diesen „Blödsinn“ zu lassen, und wirklich die Dinge zu machen, die man machen müsste als Prie-ster. Auch deshalb wenn man sieht, wie viele Priester in den Pfarreien fehlen. Und man denkt, dass man mehr Zeit hätte zum Lesen, für Bil-dung und Reflexion. Und das fehlt einem, weil man denkt dass man möglicherweise mehr „rüberbringen““ könnte auf der Ebene der Inhal-te und man hätte ein ausgeruhteres Leben und einen klareren Kopf. Vor allem bezüglich der Begleitung der Aktiven in der CAJ (JOC) und der KAB (ACO) und ohne Zweifel, sie wür-den es einem danken.
Ich erinnere mich auch daran, dass ich mich gefragt habe: Ist das alles notwendig? Hat dieser Verschleiß einen Sinn? Handelt es sich nicht vielmehr darum, eine persönliche fixe Idee aufrechtzuerhalten, egal was es kostet. und dadurch mehr eine subjektive und wenig kirchliche Sicht zu pflegen zurück auf eine Arbeitervergangenheit und nicht in die Zukunft.
Das sind Fragen, die ich mir oft gestellt habe. Aber es ist auch wahr, dass ich, wenn ich versucht habe darauf zu antworten, ich immer dazu neigte, die Arbeit fortzusetzen. Da-bei dachte ich, wenn ich so antwor-te, dann bin ich dem Leben und den Bedingungen der Arbeiterklasse näher, mit der ich bleiben und sterben will. (J.).

4. Sozialpolitische Erfahrungen
Ich habe immer gelebt, dass „Vermenschlichen bedeutet Evangeli-sierung“ bedeutet. Aber hiermit hängt dann auch Entmenschlichung und Entfremdung zusammen, vom Neoliberalismus und vom Markt als einzigem Gott herkommend. Ich lebe heute „Evangelisierung bedeutet Vermenschlichung“. In jeder Person gibt es menschliche und spirituelle Werte, ob sie nun gläubig ist oder nicht, und man muss helfen, sich dessen bewusst zu sein Kultivieren und Zelebrieren , nicht nur auf der Ebene der individuellen Intimität. Ich bin überzeugt, dass das Evange-lium von Jesus Christus eine Frohbotschaft ist, sozial und per-sönlich befreiend und frohmachend, auch für heute. Und nicht nur auf der in-dividuellen Ebene, sondern auch im sozialen, kulturellen und politi-schen Kampf und in der Welt der interreligiösen Beziehungen (I.)
Unser Leben hat einen Sinn, indem wir Tag für Tag einen „Geschmack“ von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit leben, mit der menschli-chen und christlichen Hoffnung zu der Fülle dieser Horizonte zu gelan-gen an der Seite unserer Kollegen und Kollegin-nen (S.).
In Bezug auf die Gemeinschaft bin ich einer von vielen Und die Wirk-lichkeit, die ich lebe, macht mich sehr frei, wenn ich davon spreche. Ich versuche es in einer Sprache zu tun, die dem Leben und den Tatsa-chen nahe ist. Ich denke dabei mehr an die Men-schen, an die ich mich adressiere, als an Normen und festgelegte Riten. Das hat bedeutet ein Eintauchen in das Arbeitsleben, das mich sehr frei gemacht hat Eine Freiheit, meine Gedanken zu äußern, ohne Selbstzensur. Das hat mich eingeführt in die „Arbeiterkul-tur“, die die Dinge bei ihrem Namen nennt, ohne Zurücknehmen und Schminken. Eine andere Haltung, die ich gelernt habe, ist die Solidarität, verstanden als eine aktive Prä-senz, die manchmal auch die Sünde mit einschließt. Der Kampf ist niemals absolut sau-ber, das ist auch ein Aufruf, ihn zu verbessern. (C.)
Die Erfahrung von Realismus und menschlicher Zerbrechlichkeit: In der Arbeitswelt, wo auch die Egoismen, der Durst nach Macht, Falsch-heiten anwesend sind, typisch für das menschliche Wesen. (J.).
Die „Option für die Armen“, für die „ Migranten“, die ein Teil der neuen Arbeiterklasse sind, hat mich definitiv geprägt auf spirituellem und menschlichem Niveau. Ich analy-siere die täglichen Ereignisse immer unter dieser Perspektive. Das ist wie ein Instinkt. Die körperliche Ar-beit, der anti–frankistische Widerstand, die Verwerfung des skanda-lösen Schweigens der Kirche und die Übernahme einer festen Ideologie marxistischen Charakters, die bis vor kurzem die Arbeiterklasse ge-prägt hat, haben mich zutiefst mächtig geformt trotz meines inneren Kampfes, um mich zu reinigen von meiner ideologischen Option von alten rigiden Haltungen. Die vergangene Zeit und die Erfahrung in den Ländern Zentralamerikas hat mir eine universellere Vision der mögli-chen Gerechtigkeit eröffnet, derart, dass ich mich immer schlecht füh-le, wenn ich den eurozentristischen Diskurs vernehme. Im Augenblick nähre ich zwei Überzeugungen: Die Notwendigkeit, das existierende neoliberale System zu schwächen im Hinblick auf eine radikale Verän-derung dieses politischen Modells und eine starke Unterstützung der Gruppen und der Vereinigungen an der volksnahen Basis mit einer inklusiven Mentalität, Frauen und Männer zusammen! Wie die „Gelb-westen“, aber ohne die gewalttätigen Mittel zu übernehmen. (R.)
L’Hospitalet de Llobregat, April 2019

Beitrag aus den Niederlanden

Weil es in den Niederlanden keine Gruppe gibt, in deren Namen ich sprechen kann, kann ich nur meine eigene Geschichte aufzeichnen.
Seit 2002 arbeite ich als Haushaltshilfe in der Haushaltspflege. Im Lau-fe der Jahre haben sich die Arbeit und vor allem die Organisation der Arbeit und Arbeitsbedingungen verändert. In diesem Papier beschrei-be ich die Veränderungen. Demzufolge will ich aufzeigen, dass sich in den Niederlanden nicht nur in meinem Sektor sondern auch in ande-ren Sektoren wie bei der Post die Dunge verändert haben. Zum Schluss will ich etwas dazu sagen, wie die Arbeit mich persönlich verändert hat.
Haushaltspflege
2002 habe ich begonnen bei TSU zu arbeiten. Das war eine Organisation in der Stadt Utrecht mit ungefähr 1 500 Mitarbeitern. Sie bot Haushalts-hilfe (das was ich tue). Versorgung und Pflege und Begleitung zu Hause an. Wir arbeiteten in kleinen Teams. 10 bis 15 Mitarbeiter. Alle zwei Wochen hatten wir eine Stunde bezahlte Arbeitsbe-sprechung und regelmäßig erhielten wir Weiterbildung, während der Arbeitszeit. Rei-sezeiten zwischen den Kunden wurden bezahlt, auch die Telefonkosten.
2006 gab es eine Fusion von TSU mit einer Anzahl von Versorgungs- und Pflegehäusern in der Stadt. Die neue Organisation hieß Aveant. Hier arbeiteten 3 000 Mitarbeiter. Wir, die Haushaltshilfen, arbeiteten noch immer in kleinen Teams. Auch hatten wir alle vier Wochen eine bezahl-te Arbeitsbesprechung. Auch gab es noch regelmäßig eine bezahlte Zusammenkunft zur Weiterbildung. Reisezeit und Telefon wurden be-zahlt. In 2012 ging Aveant in Careyn auf. Das war eine Pflegeorganisa-tion mit ungefähr 15 000 Mitarbeitern mit Einrichtungen in den Provin-zen Utrecht, Süd –Holland und Zeeland (das ist un-gefähr ein Drittel von Holland). Als Haushaltshilfen fielen wir in die Teilorganisation Careyn HZ, mit einem eigenen Direktor und Betriebs Rat. Hier arbeite-ten ungefähr
4 000 Mitarbeiter. Wir arbeiteten nicht mehr in kleinen Teams. Drei-mal im Jahr gibt es eine Arbeitsbesprechung in der eigenen Zeit in ei-ner großen Gruppe. Regelmäßig gibt es ein Weiterbildungsangebot, auch das in unserer eigenen Zeit (also unbezahlt) . Reisezeit zwischen den Kunden wird nicht mehr bezahlt. Unser Telefon mussten wir abge-ben. In der Zeit zwischen 2012 und 2014 haben fast alle Hilfen Lohn ein-geliefert. Einige 10 %, andere 20 oder gar 25 %.
Zusammengefasst: In der Zeit von 2002 und 2018 haben meine Kollegen und ich weniger verdient und haben sich die sekundären Arbeitsbedin-gungen verschlechtert. Früher sah ich meine Kollegen alle zwei Wo-chen. Weil es jetzt kaum noch Arbeitsbesprechun-gen gibt und wir bei Menschen zu Hause arbeiten, habe ich wenig Kontakt mit den Kolle-gen. Wir treffen uns gelegentlich per Zufall auf der Straße.
Auch positive Veränderungen gab es: Glücklicherweise gibt es jetzt ei-ne Umkehr. Das hat meines Erachtens zu tun mit der Knappheit auf dem Arbeitsmarkt als auch mit der politischen und gesellschaftlichen Überzeugung, dass die Haushaltspflege eine wichtige Arbeit ist. Seit dem letzten Jahr steigen unsere Löhne, Über eine Periode von 5 Jahren steigen die meisten Löhne um 20%. Das bedeutet, dass wir wieder auf dem Niveau von vor 10 Jahren angekommen sind. Auch will unsre Orga-nisation wieder mit kleineren Teams arbeiten gehen. Die Verände-rungen gehen langsam, aber es ist doch Bewegung.(Nur noch kein Geld).
Auch in anderen Sektoren ändert sich das Arbeiten
Ähnliche Veränderungen sehe ich auch in anderen Sektoren in den Nie-derlanden. Z.B. bei der Post. Durch die Liberalisierung des Marktes gibt es verschiedene Postbetriebe, die miteinander konkurrieren. Als Folge davon arbeiten Menschen als zzp er (Das sind Selbständige ohne Personal) oder sie haben kleinere Verträge mit niedrigem Lohn. Voll- zeitarbeiter mit festem Vertrag gibt es kaum noch. Die Digitalisierung und das online – Einkaufen hat zur Folge, dass die in Läden Beschäftig-ten ihre Arbeit verlieren und dass im Land zahlreiche kleine Transpor-ter mit Paketen rumfahren. Für große Gruppen von Menschen bedeu-tet das, dass sie einen kleinen oder einen zeitlich begrenzten Arbeits-vertrag haben und einen niedrigen Lohn.
Menschen arbeiten nicht mehr ein Leben lang bei demselben Chef. Vor allem im unte-ren Bereich des Arbeitsmarktes haben Menschen oft mehrere Beschäftigungen, um an ein Einkommen zu gelangen, mit dem man leben kann.
Wie hat die Arbeit mich verändert? Die 17 Jahre, die ich als Haushalts-hilfe arbeite, haben mich sicher verändert. Ich versuche ein paar Lini-en zu zeichnen.
* Als ich diese Arbeit begann, war ich schockiert durch die Arbeits-bedingungen; durch die Tatsache, dass Menschen auf mich runter-schauten und durch die armseligen und schmerzlichen Situationen, wo-mit ich durch meine Arbeit in Kontakt kam. Jetzt habe ich mich daran gewöhnt. Damit will ich nicht sagen, dass die Situationen weniger schockierend sind. Aber es nicht mehr eine andere Welt, mit der ich zu tun habe, son-dern die Welt, in der ich mich täglich aufhalte. Und damit ist das auch meine Welt. Eine Welt, in der Menschen leben. Menschen, die Verdruss und Sorgen haben, Freude ken-nen, wo es Spannungen und Konflikte gibt und auch Geselligkeit und Herzlichkeit. Ich erkenne mich nicht in einem romantischen Bild von Armen. Menschen an der Unter-seite der Gesellschaft sind normal Menschen, mit ihren schönen und weniger schönen Seiten. In meinem persönlichen Leben kenne ich keinen Menschen, den ich als schlechten Menschen sehe. Jeder Mensch, dem ich begegne, ist der Mühe wert, ob er nun reich oder arm ist. Wohl lerne ich von den Menschen an der Unterseite, dass du als Mensch abhängig bist und andere brauchst.. (Während Menschen mit einem guten Lohn aus-strahlen, unabhängig zu sein und niemanden nötig zu haben.)
*Meine Arbeit und mein tägliches Leben beeinflussen wohl meine Art, nach der Gesell-schaft und nach der Politik zu sehen. Ich habe weniger Mitleid mit den Reichen, die ab-geben müssen. Ich finde auch, dass die Menschen, die viel verdienen und viel Luxus genießen, einen Schritt zurückgehen müssen, vor allem, was die Umwelt betrifft. Ich erfahre wohl noch manchmal Fremdheit, Z.B. bei Geburtstagsfesten von Freun-den oder in der Familie. Ich fühle mich als Außenseiter, wenn es um die „Probleme“ geht, mit denen sie sich beschäftigen. Zugleich erlebe ich auch Fremdheit hinsichtlich der Menschen, mit denen ich täglich zu tun habe. Ich realisiere dann, dass ich hochausgebildet und links-orientiert bin.
*Vor 17 Jahren war ich Teil eines Teams von Kollegen, mit denen ich en-ger zusammenarbeite. Jetzt habe ich ab und zu Kontakt mit Kollegen. Viele Kollegen haben einen klei-nen Vertrag. Auch gibt es viel Personal-wechsel. Dadurch habe ich nicht das Gefühl, Teil einer Kollegengruppe zu sein. Die Arbeit ist individueller. Das finde ich schade.
*Physisch macht die Arbeit auch was mit mir. Zwei oder drei Häuser an einem Tag zu putzen, ist relativ schwer. Ich merke, dass ich älter wer-de. Ich weiß auch nicht, ob mein Körper diese Arbeit bis zu meiner Pen-sion aushält. Das ist sicher etwas, was mich (und meine Kollegen) be-schäftigt.
* Weil meine Arbeit und mein Leben in bestimmter Weise Gewohnheit geworden ist, habe ich gelernt, dass es für mich wichtig ist, hinzuschau-en und zuzuhören. Man kann das eine kontemplative Art von An-wesendsein nennen. Schon durch gutes Hinschauen und Zuhören sehe ich kleine Dinge und bemerke sie. Gerade die sind in meinen Augen von Bedeutung. Die kleinen Dinge, Zeichen, die oft ungesehen bleiben.
*Ich will gern dienend anwesend sein. Für andere da sein. Durch meine Arbeit habe ich gemerkt, dass ich mir Grenzen setzen muss, um ganz durchzuhalten. Denn sonst laufen Menschen wohl über dich her oder gebrauchen dich. Das ist nicht gut für mich und schließlich, so denke ich, auch nicht für sie selbst. A. – M.

Beitrag aus Spanien

Auf welche Weise habe ich mich / haben wir uns durch unsere Erfah-rungen in der Arbeit, verändern lassen und durch Arbeitsbedingungen, die wiederum Folge bestimmter ökonomischer Entwicklungen sind?
1. Beschäftigungen: Reisanbau in den Sumpfgebieten von Cadix, Gebäu-deanstrich, Assistent in der psychiatrischen Klinik, Krankenpfleger im Krankenhaus, Unterricht, Leiter in einem Landwirtschaftsunterneh-men und in einem Büro eines Vogelschlachthofs, Bankangestellter, Arbeiter in einem Multiunternehmen.
2. Die Arbeit als Arbeiter zwingt einen dazu sich zu „erniedrigen“ ab-steigen wie Jesus von Nazareth. Das ist eine ethische Haltung, die Stim-me der Opfer zu hören, der Ge-schlagenen der Gesellschaft. Die Arbeit trennt dich vom Klerus. Du bist nur ein Arbeiter mehr mit seinem Lohn: „Der Messias ist Mensch unter den Menschen geworden, aner-kannt als Mensch“ (Ph 2,7).
3. Die Arbeit führt in die Arbeiterklasse durch einen Lohn, ein Unter-nehmen, einen Unternehmer. Die Arbeit ist manchmal wenig kreativ, die einen großen Teil des all-täglichen Lebens vereinnahmt. Ich habe mich für die letzte Kategorie entschieden, Hilfsarbeiter. „Ein anderer wird Dir den Gürtel umschnallen und Dich hinführen, wohin Du nicht willst“ (Jn,18).
4. Ich habe gelernt, dass man den Kapitalismus, der unterdrückt, verändern muss, in ei-ner andauernden Spannung in dem wirklichen Leben seiend, mit einer kritischen Visi-on. Die Hoffnung organisieren in der Gewerkschaft, die Utopie aufrechterhalten und Al-ternativen erar-beiten die die Strukturen verändern. Ich habe die erneuerte Atmosphä-re des Ökosozialismus und des Ökofeminismus gefunden.
5. Ich habe das Evangelium in den ganz konkreten Wirklichkeiten entdeckt. Die Theolo-gie, das waren abstrakte Ideen. Kirche, Nächster, Liebe, Heil, Sünde. Aber die Wirklich-keit ist konkret. In der Arbeit ist der Nächste Hans, Peter…Die Liebe nennt sich Solidari-tät oder Streik. Die Sünde, das ist die Arbeit ohne Sicherheit, die Kirche, das bedeutet Gemeinschaften bilden des engagierten Lebens oder nicht im Arbeits-leben, im sozialen Leben oder in der Gruppe im Wohnviertel… Jesus ist auch unser Nächster. „Jedes Mal, wenn ihr einem der Kleinsten meiner Brüder geholfen habt, dann habt ihr mir das getan“ (Mt 25,40).
6. Ich habe mich als ein Fremdling empfunden in der großen kirch-lichen Institution mit einer Kultur von Größe, von Macht, von Trium-phalismus. Total anders als die Arbeiterwelt. „Meister, schau die schö-nen Steine an! Alles wird umgeworfen, antwortete Jesus. (Lk 13,1)
7. Die Berufung besteht aus dem Anruf Gottes durch die Bedürfnisse derer, die unten sind, und nicht von denen, die oben sind, der Arbeiter und nicht nur des Bischofs; de-rer, die mich in der Gewerkschaft ge-wählt haben, derer aus den Bürgerinitiativen, derer aus den Organisationen, um das Leben gerechter und brüderlicher zu machen. Das ist das Reich Gottes. Das ist ein Anruf, eine Berufung. Das ist die evangelische Mis-sion. „ Heilt die Kranken, gebt den Toten Leben, reinigt die Leprakranken, verjagt die „bösen“ Geister“ Mt 10, 8).
8. Der heilige Ort, an dem Gott wohnt, ist nicht mehr der Tempel, sondern der Ort der Arbeit, die Straße, das Wohnviertel, das kleine Volk, der Hilfsarbeiter, die Ausgeschlos-senen, die Migranten, diejenigen, die leiden. „Ich war krank, nackt, im Gefängnis und ihr habt mich besucht, ihr habt mich versorgt. Ich bin es, den ihr aufgenommen habt. (Mt 25,30f)
9. Das Reich Gottes offenbart sich in den Sehnsüchten der Menschen nach der Gerechtig-keit, nach der Würde der unterdrückten Klassen, der Wohnviertel am Rande, der Menschen in irregulärer Situation. Wir gehen auf eine Kirche zu der Peripherie, aufnahmebereit, von kleinen Gemeinschaften, „Die Glorie Gottes besteht darin, dass der Mensch lebt“ ruft der heilige Irenäus aus (4.Jh.).
10. Ich habe einen Gott Sturzflut entdeckt, der seine Geschöpfe über-flutet, der uns alles gegeben hat und der uns ständig begleitet. Keinen tauben Gott. der distanziert ist, straf-willig und von den kirchlichen und zivilen Mächten manipuliert ist, dem wir gehorchen müssen und den wir bitten müssen durch unser Gebet.
11. Gläubige und Nicht-Gläubige bewundern Jesus von Nazareth. Das ist ein Erbgut der Menschheit nicht nur der Religionen. Seine Botschaft der Fraternität ist ein frischer Wind in den Kämpfen, in der Koopera-tion, in den gesellschaftlichen Bewegungen für den Frieden, die Ökolo-gie und den Feminismus, um eine Welt von Brüdern zu machen.
12. Meine Spiritualität ist von kontemplativer Art in der Aktion, in der Spannung in einem dauernden Zustand des Dialogs zwischen Kirche und Gesellschaft: das bedeutet: herauszufinden was Jesus in jedem Augenblick machen würde, die Menschen anhören, mit ihnen zusam-menarbeiten, um aus der Gesellschaft eine menschliche Familie zu machen. Meine hologistische (alles umfassende) Spiritualität umfasst das ganze Sein, Körper und Geist, die Natur und alles. Gott handelt wei-ter bei den Menschen: Herr, wir haben einen Mann gesehen, der das Böse austrieb… Hindert ihn nicht daran…, Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. (Mc. 9,38 ff).
13. Mein Glaube besteht darin, den Menschen und den Gemeinschaften, die für die Gerechtigkeit, den Frieden und die Legalität arbeiten, Ver-trauen zu schenken. Sie sind mit ihren Sehnsüchten und Wünschen das Salz und das Licht, die zu einem menschlicheren Leben hinleiten, die Saat, die das wachsen lässt, was das Evangelium Reich Gottes nennt.
14. Die Arbeit als Arbeiter hat mich in einen anderen Typ von Priester verwandelt: in einen Arbeiter mit seinem Lebensstil, seinem Lohn, und in einer Gemeinschaft von Gläubigen und das ist auch meine Berufung in der Familie und mit den Kindern.
15. In diesem Tagen als Rentner leben wir weiter in der Welt an den heutigen Rändern in den Vereinigungen für den Frieden, die Solidari-tät, für Gerechtigkeit und Frieden, oder für die Obdachlosen, die Klan-destinen und immer in Glaubensgemeinschaften.
In der Erfahrung der Arbeit „sich erniedrigen“ war der Ton und die Welt der Arbeit, die mich umgewandelt hat, war der Töpfer.

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Auf welche Weise habe ich mich / haben wir uns durch unsere Erfah-rungen in der Arbeit, verändern lassen und durch Arbeitsbedingungen, die wiederum Folge bestimmter ökonomischer Entwicklungen sind?
1. Beschäftigungen: Reisanbau in den Sumpfgebieten von Cadix, Gebäu-deanstrich, As-sistent in der psychiatrischen Klinik, Krankenpfleger im Krankenhaus, Unterricht, Leiter in einem Landwirtschaftsunterneh-men und in einem Büro eines Vogelschlachthofs, Bankangestellter, Ar-beiter in einem Multiunternehmen.
2. Die Arbeit als Arbeiter zwingt einen dazu sich zu „erniedrigen“ ab-steigen wie Jesus von Nazareth. Das ist eine ethische Haltung, die Stim-me der Opfer zu hören, der Geschlagenen der Gesellschaft. Die Arbeit trennt dich vom Klerus. Du bist nur ein Arbeiter mehr mit seinem Lohn: „Der Messias ist Mensch unter den Menschen geworden, aner-kannt als Mensch“ (Ph 2,7).
3. Die Arbeit führt in die Arbeiterklasse durch einen Lohn, einen Un-ternehmer. Die Arbeit ist manchmal wenig kreativ, die einen großen Teil des alltäglichen Lebens ver-einnahmt. Ich habe mich für die letzte Kategorie entschieden, Hilfsarbeiter. „Ein anderer wird Dir den Gürtel umschnallen und Dich hinführen, wohin Du nicht willst“ (Jn,18).
4. Ich habe gelernt, dass man den Kapitalismus, der unterdrückt, ver-ändern muss, in einer andauernden Spannung in dem wirklichen Le-ben seiend, mit einer kritischen Vision. Die Hoffnung organisieren in der Gewerkschaft, die Utopie aufrechterhalten und Alternativen erar-beiten die die Strukturen verändern. Ich habe die erneuerte Atmos-phäre des Ökosozialismus und des Ökofeminismus gefunden.
5. Ich habe das Evangelium in den ganz konkreten Wirklichkeiten entdeckt. Die Theologie, das waren abstrakte Ideen. Kirche, Nächster, Liebe, Heil, Sünde. Aber die Wirklichkeit ist konkret. In der Arbeit ist der Nächste Hans, Peter…Die Liebe nennt sich Solidarität oder Streik. Die Sünde, das ist die Arbeit ohne Sicherheit, die Kirche, das bedeutet Gemeinschaften bilden des engagierten Lebens oder nicht im Arbeits-leben, im sozia-len Leben oder in der Gruppe im Wohnviertel… Jesus ist auch unser Nächster. „Jedes Mal, wenn ihr einem der Kleinsten meiner Brüder geholfen habt, dann habt ihr mir das getan“ (Mt 25,40).
6. Ich habe mich als ein Fremdling empfunden in der großen kirchli-chen Institution mit einer Kultur von Größe, von Macht, von Trium-phalismus. Total anders als die Arbeiterwelt. „Meister, schau die schönen Steine an! Alles wird umgeworfen, antwortete Jesus“ (Lk 13,1)
7. Die Berufung besteht aus dem Anruf Gottes durch die Bedürfnisse derer, die unten sind, und nicht von denen, die oben sind, der Arbeiter und nicht nur des Bischofs; derer, die mich in der Gewerkschaft ge-wählt haben, derer aus den Bürgerinitiativen, derer aus den Organisa-tionen, um das Leben gerechter und brüderlicher zu machen. Das ist das Reich Gottes. Das ist ein Anruf, eine Berufung. Das ist die evange-lische Mission. „Heilt die Kranken, gebt den Toten Leben, reinigt die Leprakranken, verjagt die „bösen“ Geister“ Mt 10, 8).
8. Der heilige Ort, an dem Gott wohnt, ist nicht mehr der Tempel, sondern der Ort der Arbeit, die Straße, das Wohnviertel, das kleine Volk, der Hilfsarbeiter, die Ausgeschlossenen, die Migranten, diejenigen, die leiden.
„Ich war krank, nackt, im Gefängnis und ihr habt mich besucht, ihr habt mich versorgt. Ich bin es, den ihr aufgenommen habt.“ (Mt 25,30f)
9. Das Reich Gottes offenbart sich in den Sehnsüchten der Menschen nach der Gerechtig-keit, nach der Würde der unterdrückten Klassen, der Wohnviertel am Rande, der Men-schen in irregulärer Situation. Wir gehen auf eine Kirche zu der Peripherie, aufnahme-bereit, von kleinen Gemeinschaften, „Die Glorie Gottes besteht darin, dass der Mensch lebt“ ruft der heilige Irenäus aus (4.Jh.).
10. Ich habe einen Gott Sturzflut entdeckt, der seine Geschöpfe über-flutet, der uns alles gegeben hat und der uns ständig begleitet. Keinen tauben Gott. der distanziert ist, strafwillig und von den kirchlichen und zivilen Mächten manipuliert ist, dem wir gehorchen müssen und den wir bitten müssen durch unser Gebet.
11. Gläubige und Nicht-Gläubige bewundern Jesus von Nazareth. Das ist ein Erbgut der Menschheit nicht nur der Religionen. Seine Botschaft der Fraternität ist ein frischer Wind in den Kämpfen, in der Koopera-tion, in den gesellschaftlichen Bewegungen für den Frieden, die Ökolo-gie und den Feminismus, um eine Welt von Brüdern zu machen.
12. Meine Spiritualität ist von kontemplativer Art in der Aktion, in der Spannung in einem dauernden Zustand des Dialogs zwischen Kirche und Gesellschaft: das bedeutet: herauszufinden was Jesus in jedem Au-genblick machen würde, die Menschen anhören, mit ihnen zusammen-arbeiten, um aus der Gesellschaft eine menschliche Familie zu machen. Meine hologistische (alles umfassende) Spiritualität umfasst das ganze Sein, Körper und Geist, die Natur und alles. Gott handelt weiter bei den Menschen: „Herr, wir haben einen Mann gesehen, der das Böse aus-trieb… Hindert ihn nicht daran…, Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ (Mc. 9,38 ff).
13. Mein Glaube besteht darin, den Menschen und den Gemeinschaften, die für die Gerechtigkeit, den Frieden und die Legalität arbeiten, Ver-trauen zu schenken. Sie sind mit ihren Sehnsüchten und Wünschen das Salz und das Licht, die zu einem menschlicheren Leben hinleiten, die Saat, die das wachsen lässt, was das Evangelium Reich Gottes nennt.
14. Die Arbeit als Arbeiter hat mich in einen anderen Typ von Priester verwandelt: in einen Arbeiter mit seinem Lebensstil, seinem Lohn, und in einer Gemeinschaft von Gläubigen und das ist auch meine Berufung in der Familie und mit den Kindern.
15. In diesem Tagen als Rentner leben wir weiter in der Welt an den heutigen Rändern in den Vereinigungen für den Frieden, die Solidari-tät, für Gerechtigkeit und Frieden, oder für die Obdachlosen, die Klan-destinen und immer in Glaubensgemeinschaften.
In der Erfahrung der Arbeit „sich erniedrigen“ war der Ton.