+ 2012 Richard Mayer

Richard Beerdigung Predigt Mk 6 und 1 Kor 15, Daun 13.07.2012

Liebe Waltraud, liebe Familie von Richard, liebe Freundinnen und Freunde – politische wie persönliche, liebe Trauergemeinde

Richard Mayer war ein vielseitiger Mensch: Er war politisch, religiös, musikalisch, naturverbunden, ein internacionalista und was weiß ich noch alles. Er hatte viele Seiten und viele von uns kannten nicht alle. Was heute von seinem Leben offenbar wird, mag den einen oder die andere überraschen. Ich selbst habe noch viel über ihn gelernt und gespürt, dass ich ihn in seiner vielseitigen Fülle und auch mit seinen Widersprüchen gar nicht erfassen kann. In dieser Predigt schon gar nicht. Viele werden heute noch ihren Teil beitragen und vor allem hat er selbst viel eingebracht: Von ihm sind die Texte, die Lieder, die Grundidee dieses Abschiedes. Zum guten Teil mache ich mich, machen wir uns hier zu seinem Sprachrohr. In Frankfurt in der Uniklinik hat er gesagt: Thomas, wenn du das machst, dann schaue ich von oben zu und freue mich. Ich hoffe, Richard, dass du das tust und tun kannst.

Mich selbst hat Richard immer interessiert und zweimal tief beeindruckt: Verrückterweise bei unserer ersten Begegnung und bei unseren letzten.

Die erste war in Frankfurt Bornheim, Anfang der 80er Jahre. Ich kam aus Brasilien zurück und suchte nach einer Weise, wie ich in Deutschland Christ sein könnte im Geist der lateinamerikanischen Option für die Armen, die mich so fasziniert hat. Ich kam zu ihm in seine Wohnung, hatte ihn noch nie gesehen und einen starken Eindruck mitgenommen: Er ist mir als jemand begegnet, der wusste, was er leben wollte, der das sehr konsequent umgesetzt hat und der doch mir jungem Suchenden die ganze Freiheit gegeben hat, meinen eigenen Weg zu gehen. Ich hatte das Gefühl, dass ich auch so wie er leben will und wusste sicher, dass ich ganz frei war in meiner Entscheidung. Das ist mir all die Jahre als Eindruck geblieben. Was er gelebt hat und was mich so faszinierte, wollte er mit dem Evangelium heute ausdrücken: „Ich habe mich mehr als Jünger Jesu mitten im Leben der Mitmenschen verstanden und weniger als für die Mitmenschen beauftragter kirchlicher Amtsträger, was ich damit nicht abwerten will, aber das war nur kurz auch mein Weg“, schreibt er in seinen Anmerkungen zu seiner Beerdigung. „Ein Jünger Jesu mitten im Leben der Mitmenschen“, ein companero, würden die Latinos, die Nicas sagen, mit denen er lange gelebt hat. Einer, dessen Namen sie kennen und der sie beim Namen kennt. Einer der dabei ist, wenn Menschen die Häupter heben, wie es in der Todesanzeige heißt, wenn sie für das Leben streiten und für die Gerechtigkeit. Einer der einfach lebt und gerade so auch dem Leben Schönheit und Liebe und Genuss abgewinnen kann.

Ein zweites Mal tief beeindruckt hat er mich in den Tagen in der Uniklinik Frankfurt. Ich hatte Glück. Von uns Arbeitergeschwistern hatte ich es am nächsten und durfte ihn ein paarmal besuchen. Waltraud, du hast mir diesen Weg ermöglicht und dafür danke ich dir sehr. Am 1. Mai kam ich von der Demo und brachte ihm die Kommunion und die Mai-Nelke mit. Eine seltene Kombination, die mir so sympathisch ist. Und da sagte er: „Thomas, ich hatte ein sinnvolles und dankenswertes Leben“. Der Satz hat sich mir eingebrannt. Weil er eine Sehnsucht ausdrückt, die in mir lebt, vielleicht in uns allen. Wer würde das nicht gerne von seinem Leben sagen können: ein sinnvolles und dankenswertes Leben. Richard hat es ganz natürlich und völlig glaubwürdig gesagt. Ein einfaches und großes Zeugnis.

Das Leben als ein Jünger Jesu, in Einfachheit und Freiheit hat ihn so beschenkt, dass er dankbar wurde bis an sein Ende. Er war so dankbar, dass Du da warst, Waltraud und viele andere und dass ihm sogar sein letzter Wunsch noch in Erfüllung ging: Zu sterben in dem Zimmer, in dem er geboren wurde und in dem schon sein Vater starb. Bei allem Schweren, bei aller Angst und allen Schmerzen hat sich sein Leben abgerundet.

Er hat es in die Hand Gottes zurückgegeben. Er hat jetzt einen unvergänglichen Körper angezogen, wie es in der Lesung heißt, die er für uns ausgesucht hat. Daran hat er geglaubt. Er wollte seinen Bruder Leo treffen, seine Eltern und so viele, die ihm vorausgegangen sind.

Wir gehen unseren Weg weiter. Jede ihren und jeder seinen eigenen. Wir alle nehmen etwas von Richard mit. Sicher sehr verschiedenes. So wird er ganz vielseitig unter uns bleiben, als ein Freund, als ein Gefährte, als ein Geliebter, als ein Genosse, als ein Verwandter, als ein Jünger Jesu mitten unter den Mitmenschen.

Weitere Funde:

Nachruf von der Gruppe Selbstbesteuerung: http://www.aktion-selbstbesteuerung.de/Rundbrf/2012/2012_3/04_Nachruf%20auf%20Richard%20Mayer.pdf

Notiz im Pfarrbrief der kath. Gemeinde St. Josef in Saarbrücken: http://www.stjosef-saarbruecken.de/fileadmin/user_upload/stjosef/Pfarrbrief/2012/09%20Pfarrbrief%2001.07.-12.08.12.pdf