+ Willibald Jacob (1932-2019)

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Ein Wege-Ebener war er“.

Wir trauern um unseren Weggenossen, den Berliner Pfarrer i.R. Willibald Jacob, der am 3. Juli heimgegangen ist. Ich schreibe diese Zeilen als einer, der seit fast drei Jahrzehnten im Kreise der ökumenischen „Arbeitergeschwister“ um den Je-suitenpater Christian Herwartz mit Willibald verbunden ist. Ich verliere einen Bruder mit weitem Herzen an der Seite der Armen, inspiriert von Dietrich Bon-hoeffer, ökumenisch interessiert seit der ÖRK-Versammlung in Evanston (1954), fast „prophetisch“ engagiert für die eine, parteiliche Kirche. Streitbar war er, grenzüberschreitend im besten Jesuanischen Sinne. Einer nannte ihn neulich treffend einen „Wege-Ebener“.

Was Willibald aus seinem Leben zu berichten wusste, war erfahrungsgesättigt. Ich erinnere seine Erzählungen von der „Bauwagenmission im Oder-bruch“ nach dem zweiten Weltkrieg um den BK-Theologen Horst Symanow-ski, dann seine Jahre in einem DDR-Straßenbaukombinat, worüber er auch publiziert hat („Arbeiterpfar-rer in der DDR“). Als Pfarrer oder Pfarrerin in Betrieben zu arbeiten ist ein Ver-such, glaubwürdige Kirche für alle zu leben. Oft wurde so etwas misstrauisch be-äugt, im Westen von den Betriebsleitun-gen, im Osten von den staatlichen Diens-ten. Und auch in den Kirchen bleiben diese Theologen bis heute marginal, gelten als Exoten in eher situierten Kir-chenlandschaften. Allenfalls erinnert man solche Berufswege, wenn es um Einsparungen geht. Weiter denke ich an seine Reisebe-richte aus Govindpur in Indien, zusammen mit seiner zu früh verstorbenen Ehe-frau Elfriede, im Rah-men von Projekten der Gossner Mission (hier entstand das Buch „Trittsteine im Fluss“). Von solchen Menschen kannst du als Nachgeborener lernen, was einige aus unserem Kreis auch zu eigenen Lebensentscheidungen in-spirierte. Oft führte ihn ein erzählter Gedanke in neue Projekte. So stritt er zuletzt, leider vergeblich, im Rahmen des Reformationsjubiläums für die überfällige Re-habilitierung des „Pfarrers und frühen evangelischen Märtyrers“ Thomas Müntzer durch seine Kirche.

Eine der übelsten menschlichen Praktiken ist die Denunziation. Willibald war seit den 90er Jahren mehrmals solchem Treiben ausgesetzt, angezettelt von Menschen, die sein links-politisches Engagement, auch als zeitweiliger Bundestagsabgeordne-ter, bekämpften. Zwar konnte er sich gegen falsche Be-hauptungen erfolgreich ge-richtlich zu Wehr setzen, allerdings zeigte sich in seinem Fall einmalmehr: Wem argumentativ nicht beizukommen ist, dem un-terstellt man Stasi-Nähe. Rosa Lu-xemburgs vielzitierter Satz soll dann wohl doch nicht für alle gelten.

Willibald war ein Familienmensch. Er hinterlässt Kinder und Enkelkinder. Seit der Beisetzung am 12. Juli findet sich sein Grab an der Seite seiner El-friede auf dem Ev. Friedhof Weißensee in der Piesporter Straße. Sein El-ternhaus und der bis zu-letzt so geliebte Garten sind nicht weit weg.

Thomas Dietrich Lehmann, Berlin
Mit einem schönen Bild erschienen in http://www.die-kirche.de | Nr. 30 | 28. Juli 2019 der evangelischen Kirchenzeitung in Berlin.