2017 Das Europäische Treffen (alle Unterlagen)

Die Tischvorlage Kopie

Pfingsten 2017 in Essen/Deutschland

Die alles bestimmende Prekarisierung….?

2. bis zum 5. Juni 2017

Kardinal-Hengsbach-Haus, in Essen-Werden, Dahler Hoehe 29, D-45239 Essen,
tel +49 (0) 201 – 49 00 10
mail: kardinal.hengsbach.haus@bistum-essen.de
www.kardinal-hengsbach-haus.de

Inhalt

0. Einladung Seite 3
1. Belgien Seite 5
2. Deutschland Seite 10
3. England Seite 13
4. Frankreich Seite 17
5. Italien Seite 23
6. Katalonien Seite 28
7. Niederlande Seite 32
8. Spanien Seite 34
9. Offener Brief Seite 36

0. Einladung

Liebe Freundinnen und Freunde in der Tradition der Arbeiterpriester, nach unserem intensiven und guten Treffen am 3. Dezember in Paris möchten wir Euch in einem ersten Aufruf zum nächsten internationalen Treffen nach Essen einladen unter folgendem Thema:

Die alles bestimmende Prekarisierung…?

  1. Unsere Erfahrungen der Arbeit und des Lebens in der gegenwärtigen Situation unserer Länder
    2.1 Woher kommt das Gefühl grundsätzlicher Unsicherheit bei uns selbst und den Leuten um uns herum?
    2.2 Wie sehen wir selbst den wachsenden Nationalismus in Europa?
    Was ist uns Hilfe in dieser Situation, um gemeinsam einen Weg der Stabilität, der Sicherheit und des Vertrauens zu gehen?

Vorläufiger Ablaufplan:

Freitagabend, 2. Juni 2017

Bis 18.00 Uhr: Ankommen und Abendessen
20.00 Uhr: Erste Runde zum Kennenlernen und Erzählen, Info über die geplanten Besuche am Samstag und Einführung in eine mögliche Resolution durch die Katalanen

Samstagmorgen, 3. Juni 2017

8.00 Uhr: Morgenimpuls durch die Italiener anschließend Frühstück
9.30 Uhr: Einstieg in das Thema durch die vorbereiteten Texte
11.15 Uhr: Begrüßung und Aperitif mit den anderen unseres Ilbenstädter Kreises, die gekommen sind
12.30 Uhr: Mittagessen

Samstagnachmittag:

Vier Besuche geplant, alle ca 30 Minuten mit Zug
– Besuch der Suppenküche mit Johanna in Düsseldorf
– Besuch in Duisburg-Marxloh, Moschee und Stadtteil mit Wolfgang, kl. Bruder
– Besuch Jugendzentrum „Tesche“ Wuppertal-Vohwinkel neben einer fundamentalistischen Moschee. Mehrere Jugendliche sind zum IS nach Syrien gegangen
– Besuch in Dortmund-Dorstfeld, Zentrum der Nazi-Aktivitäten in Dortmund und NRW

18.00 Uhr: Rückkehr und Austausch über die Besuche
19.00 Uhr: Abend der Begegnung mit Aktivitäten, Essen, Programm und dem Besuch von Bischof Overbeck in zwangloser Atmosphäre als Begegnung

Sonntagmorgen, 4. Juni 2017:

Ab 7.30 Uhr: Frühstück
8.45 Uhr: Pfingstliturgie von uns Ilbenstädtern geleitet
10.00 Uhr: Plenum
11.15 Uhr: Kleingruppen
12.30 Uhr: Mittagessen

Sonntagnachmittag:

15.00 Uhr: Plenum
16.30 Uhr: Kleingruppen oder Plenum
18.00 Uhr: Abendessen
Diskussion über eine gemeinsame Erklärung

Montagmorgen, 5. Juni 2017:

8.00 Uhr: Morgenimpuls durch die Spanier/Belgier anschließend Frühstück
9.30 Uhr: Was nehme ich/wir aus dem Wochenende mit? Evnt. Verabschiedung der Resolution Pause
11.15 Uhr: Auswertung
12.30 Uhr: Mittagessen

Ende des Treffens

1. Beitrag der belgischen Gruppe (Flandern)

Unsere Arbeits- und Lebenserfahrungen in der derzeitigen gesellschaftlichen Situation

Wir leben in einer Welt, die sich völlig von der des letzten Jahrhunderts unterscheidet. Wir erleben die schwerste Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren. Diese Situation haben der Europarat und die Europäische Kommission genutzt, um drastische Maßnahmen durchzusetzen, die allerdings die Krise noch verschärft haben statt sie zu lindern. Die EU hat etlichen Ländern derartige Wirtschaftsmaßnahmen diktiert, darunter auch Belgien.
Die Arbeitsbedingungen heute sind völlig andere, als wir sie kennen gelernt haben: es gibt nur noch wenige unbefristete Arbeitsverträge; die Arbeitnehmer müssen „superflexibel“ sein und sich laufend „recyclen“, sich auf den neusten Stand bringen.
Selbst in Familien, in denen beide Partner arbeiten, ist es oft genug ein Problem, alle Rechnungen bezahlen zu können. Die Energiekosten in privaten Haushalten z.B. sind in den letzten drei Jahren um 40% gestiegen.
Auch was die soziale Gerechtigkeit angeht, verzeichnen wir enorme Widersprüche im Vergleich zur Vergangenheit. Die Schere zwischen Arm und Reich beispielsweise nimmt spektakuläre Ausmaße an. Im letzten Jahr ist die Zahl der „Dollar-Millionäre“ um 16.000 gestiegen. Inzwischen gibt es in Belgien 380.000 sogenannte „Dollar-Millionäre“, während gleichzeitig 25% der Belgier Mühe haben, mit ihrem Geld bis zum Ende des Monats auszukommen. Während 600.000 Menschen in Belgien Arbeit suchen, arbeiten diejenigen, die einen Arbeitsplatz haben, immer mehr Stunden. Eine vollkommen absurde Logik!

Woher kommen die Ängste und die Gefühle der Unsicherheit bei uns und in unserer Umgebung?
Wir sind uns bewusst, dass in unserer Gesellschaft alle Arten von Angst absichtlich genährt werden. Nach dem Bericht von Amnesty International droht sich „die Politik, die Angst sät“ weltweit zu etablieren. Allerdings können wir nicht leugnen, dass es Ängste und Unsicherheiten gibt:
Die Angst, den Job und damit das Einkommen zu verlieren, was in der Folge zum „struggle for life“ und „jeder für sich“ führt.
Die Angst vor der massiven Zuwanderung durch Flüchtlinge … weil sie uns unseren Wohlstand rauben könnten. Eigentlich jedoch sind sie uns ein Spiegel: sie fliehen vor den Folgen des Klimawandels, vor Krieg und Ungerechtigkeit.
Die Angst des „kleinen Mannes“ in Flandern, der um seine Identität fürchtet, wenn Muslime ihre Stimme in der kleinen Gemeindeschule erheben (wörtlich: in der Schule der Kirchengemeinde).
Die Angst vor der Globalisierung, die sowohl die Identität bedroht wie auch vor allem dafür sorgt, dass Arbeitsplätze in andere Länder verlegt werden. Nicht wenige Menschen wissen nicht, wie sie mit der technologischen Entwicklung Schritt halten sollen, weder auf der Arbeit, noch im Privaten.
Die Angst vor islamistischem Terror und vor Attentaten, die jederzeit möglich sind. Angst vor allem, was fremd ist – und genau diese Angst ist der Boden für den Rassismus.

Wie sehen wir den erstarkenden Nationalismus in Europa?
Der Nährboden für den Nationalismus ist die Politik, wie sie derzeit von der Sozialdemokratie gemacht wird, die nicht ausreichend hinhört, was an der Basis gelebt wird (~sich nicht für die Nöte des kleinen Mannes interessiert; Anm.d.Ü.), sondern stattdessen in erster Linie die Interessen der Finanz- und Wirtschaftslobby bedient und zu diesem Ziele dem Volk Sparmaßnahmen auferlegt.
Für die rechten, nationalistischen Parteien sind die Lösungen für alle Probleme ausgesprochen einfach und von bestechender Logik: die Ausländer und Flüchtlinge sind der Grund für die Krise. Das erklärt Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wie auch die schrittweise Aussetzung demokratischer Rechte und die Auflösung der Gewerkschaften, die Einengung der Pressefreiheit – wobei die Glaubwürdigkeit der kritischen Journalisten angezweifelt wird – und den Abbau der sozialen Sicherungssysteme. Kurzum: der Arbeiterklasse drohen 99% ihrer sozialen Sicherung verloren zu gehen.
Der Nationalismus baut auf ein Verständnis von „wir und die Anderen“ und erzeugt Ausgrenzung. Immer wird ein Schuldiger gefunden, auf den mit dem Finger gezeigt wird: Er verdient weder Hilfe noch Wohlstand.
Was außerdem charakteristisch ist, sind die Übertreibungen ausgewählter Probleme und die starke Vereinfachung der Lösungen. Das trifft nicht nur auf Trump in den USA zu, sondern ist auch in Europa zu finden, wo der Erfolg von Populisten und Nationalisten größer wird: Marie Le Pen in Frankreich, Bart De Wever in Belgien, Geert Wilders in Holland, Nobert Hofer in Österreich … mit solchen Figuren ist das Tor zu Diktaturen geöffnet.

Was kann uns helfen, gemeinsam einen Weg von Stabilität, Sicherheit und Vertrauen zu gehen?
Glücklicherweise gibt es noch viele Lichtblicke in dieser so dunklen Welt. Manchmal kann ein einzelnes Erlebnis oder Zeugnis das Leben des Einzelnen radikal verändern. So z.B. bei der „Schließer-Bewegung“ in Spanien (korrekte Übersetzung?). Sie verweigern sich, weiterhin im Auftrag der Banken Familien aus ihren Wohnungen zu vertreiben, die ihre Schulden nicht bedienen können, weil sie infolge der Wirtschaftskrise ihren Job verloren haben.
Ein Staatsanwalt (korrekte Übersetzung?) hat gesagt: „Ich denke, der Auftrag aller, die in diesem Land Verantwortung tragen, ist es in der „wir“-Form zu denken und zu sprechen. Unsere große Herausforderung: Haben wir Vertrauen in die Jugend? Welche Zukunft hat sie? Sagen wir den Jungen, was sie uns wert sind und dass wir auf sie zählen? Ich bin überzeugt, dass wir beginnen müssen „anders“ zu denken und zusammen zu leben.“ Den Kopf in den Sand zu stecken, wird kein Problem lösen. Alle Probleme müssen offen angesprochen werden dürfen. Aber es ist auch nötig, den Menschen die Augen zu öffnen, damit sie die Lügen erkennen und sehen, wie ihnen absichtlich Angst gemacht wird. Seppe z.B. geht regelmäßig zu Arbeitertreffen, um dort über Einwanderung und Einwanderer zu sprechen und informiert die Öffentlichkeit mit korrekten Zahlen.

Wo wir leben, gibt es zahlreiche kleine Initiativen, in denen wir mitarbeiten oder die wir unterstützen können:
– die „Häuser des Friedens“, eine Organisation, die Häuser erwirbt/anmietet, um sie an Flüchtlinge weiterzuvermieten
– das „Flüchtlingskommitee“ in Genk, das wirksame und konkrete Hilfe bietet
– geführte Besuche in Molenbeek „Brussel binnenstebuiten“: die Besucher sind angenehm überrascht über den freundlichen Empfang, den sie erleben
– ein Nachbarschaftszentrum, welches die Bewohner des Viertels zusammenbringt und verschiedene Aktivitäten anbietet
– der 60. Geburtstag einer Schule in Antwerpen (Anvers), die ihrer Feier das Motto gegeben hat: Farbe in eine graue Realität bringen. Die Festkönigin war ein junges marokkanisches Mädchen.
Als Anhang schicken wir Euch den Brief von Mohamed El Bachiri, der seine Frau bei den Attentaten vom 22.3.2016 in Brüssel verloren hat:

Der Dschihad der Liebe“
(Briefübersetzung mit Internetübersetzung, von Gottfried nach „Gefühl“ nachgebessert)

Ich bin Mohamed El Bachiri, Belgo Marokkaner, Muslim und Molenbeeker. Mit diesem Vornamen, diesen religiösen Überzeugungen und dem traurigen Ruf des Stadtteils. Wie ich wahrnehme, werde ich durch einen Teil von der Bevölkerung und von der Welt betrachtet, wie ein potenzieller Terrorist. Und das verwundet mich sehr.
Ich bin der Gatte von Loubna Lafquiri, der Liebe meines Lebens, meiner Freundin, der Mutter meiner Kinder ebenfalls, die bei den Attentaten von Brüssel am 22. März 2016 verstorben ist. Loubna, Frau in der unerreichbaren Schönheit und in unendlicher Güte. Wenn ihr Blick auf mich fiel, machte ihr Lächeln, ihre Anwesenheit aus mir den Schönsten, den reichsten und am meisten Beschenkten aller Menschen.
Heute ist meine Traurigkeit unermesslich, trotzdem spüre ich in mir die Liebe von und für meine Ehefrau, für meine Kinder, für das Leben und für die Menschheit. Eine Liebe, die mich angetrieben hat , einen „Djihad“ an einem Abend in einer Kirche auszurufen, Molenbeek, wo Christen, Muslime und andere Menschen eine Mahlzeit in einem brüderlichen Geist geteilt haben.
Ja, Ich habe die Jugendlichen zu einem „Djihad“ aufgerufen. Aber Achtung, nicht irgendein „Djihad“. Ich spreche über einen Djihad, der nicht aus dem Hass entsteht, einem Hass, dieser schweren Last, die die Herzen schwarz macht. Ich spreche über den besten, über der adligsten, über den schönsten Kampf für einen Muslim, der sich dem Entsetzen widersetzt. Dieser Djihad, der anreizt, zum anderem, seinen von ihm verschiedenen Bruder zu gehen, um ihm zuzulächeln und ihm die Empathie auszudrücken. Dieser Djihad, der, um zu existieren, die Umarmung sucht, um die Flammen des Grolls zu löschen und der seine Wahrheit nicht vorschreibt, weil er wie im Koran gesagt wird, „????KEINER wird zur RELIGION GEZWUNGEN werden“
Dieser Djihad, mein Djihad, der seine Liebe zum Westen dieser Teil von der Welt schreit, der mich von Geburt an begleitet und der mir so gegeben wurde. Ich ein Kind der Welt, Ihr Bruder in der Menschheit. Dieser Djihad der Liebe sollte die Antwort auf diejenigen sein, die versuchen, uns zu teilen und die Gewalt und Terrorismus verbreiten. Als ob auf einem Schlachtfeld, das Geschrei der im Sterben liegenden Verlierer eine Sinfonie zum Ruhme vom siegreichen Gott wäre.

VERFLUCHT und VERFLUCHT DER KRIEG, ODER DEN TERRORISMUS.
Ich kehre in meinem Hauptanliegen auf die Liebe den Grundstock zurück, auf den alle Gedanken, aller Glauben, alle Menschen sich erholen sollten. Sie sollte eine universale Kraft und eine Basis ganzer Kommunikation unter uns die Menschen sein. In dieser auf die Liebe ausgerichteten Beziehung hat keiner Anspruch, die richtige Wahrheit und noch weniger nur seinen Willen durchzusetzen, ihn vorzuschreiben. Diese Wahrheitssuche, wir haben sie in jedem von uns. Es ist eines der Merkmale “ des vernünftigen Tieres „, das wir sind. Das ist ein persönliches Vorwärtsgehen, mit dem Ziel zu erreichen, dass die Griechen “ die Ataraxie “ nannten, Zustand einer beruhigten Seele. Für meine Seite ist der gewählte Weg der Islam, aber dieser Weg, dieser Fußweg wird sich dadurch auszeichnen, wem ich zuerst ein Mensch bin. Daher, logischerweise, rangiert die Mitmenschlichkeit vor der Zugehörigkeit zu meinem Islamischen Glauben. Meine Menschlichkeit mit allen humanistischen Werten, die davon herrühren: la sacralité ( das Heilige )des Lebens, der freie Wille und der brüderliche Austausch mit den anderen Menschen gehören damit zusammen. Moslemischer Humanist zu sein, ist anzunehmen, zu genießen und als ein Privileg die Tatsache zu betrachten, in der Verschiedenheit zu leben. Auch die Fähigkeit, bestimmte Texte des Korans und besonders das kriegerische Vorübergehen in den historischen Gründen des VII. Jahrhundert geeigneten Erzählungen einzuordnen und sollte auf keinen Fall benutzt werden, um weh zu tun oder Beeinträchtigung des Lebens anderen zu tragen. Moslemischer Humanist sein, das ist sich für unsere gemeinsame Geschichte zu interessieren, derjenige der Menschheit mit allen seinen großen Menschen, die die Welt haben vorgehen lassen. Diese Menschen des antiken Griechenland, des Mesopotamien, Roms, Chinas, des Orient und des Westens u.s.w… Das ist einen Moment innezuhalten, zu den Himmel zu sehen und sich zu seinem Nächsten umzuwenden, ihm zuzulächeln und es zu verstehen. Und wenn mein Nächster meinen Gedanken, meinem Glauben entgegengesetzt ist, hat er sicherlich eine Wahrheitsseite, weil, wie Héraclit sagte, die Wahrheit in einer Sache und ihrem Gegenteil Recht hat. Für meine Seite bin ich Widerspruch, zwischen Grund und Mystizismus, Überzeugung und Skepsis geteilt. Aber immer und bis zum letzten durch die Liebe getragenen Hauch.
In dieser schweren und unsicheren Zeit rufe ich zum Dialog und zum Austausch auf und anstatt uns auf dem Wahnsinn und dem Hass von einen aufzuhalten, wenden wir uns zum Genie und der Güte der Menschheit um, die sind und die die richtigen Hoffnungs- und Inspirationsquellen für diejenigen bleiben werden, von denen wir uns die Erde, unsere Kinder ausleihen. Ich unterstriche die Bedeutung der Kultur ebenfalls, weil das zur Öffnung führt. Wenn ich Averroès, diesen moslemischen Philosophen sehe, der mit seinen zahlreichen Kommentaren und Übersetzungen griechischer Texte( ????die Übergabe der Volljährigen erlaubt hat, die des Gedankens in den Westen aristotélicienne gegangen ist???), der in einem Fresko im Palast des Vatikan von den Händen von Raphael unsterblich gemacht ist; ich kann nur eine große Emotion empfinden und feststellen, dass wir, Muslime, schon früher zur Größe des Westens beigetragen haben. Und dass schließlich, er zu herrlichen Begegnungen beigetragen hat.
Ich werde mit einem “ ALLAHOAKBAR “ betitelten Text abschließen, den ich bald nach dem Verlust meiner Ehefrau geschrieben habe, Es handelt sich um meine Antwort auf diejenigen, die mein Leben zerstört haben.

Süßer „ALLAHOAKBAR“ murmelt, vom Herzen herkommend, den man hören kann, aber nicht, um zu zerstören.
„ALLAHOKABAR“ aus Liebe, die ich auf das Flachland bringe, das meine und im chérifien Königreich ist.
„ALLAHOAKBAR“ für die Schönheit, für die Kunst, für dieses Werk, das eine so starke Emotion freisetzt, wie läßt sie in den Tränen das eisigste von Herzen schmelzen
„ALLAHOAKBAR“ für diese ganze Verschiedenheit, diese Kulturen, diese Glauben, diese Leute, mit denen man diskutiert, man austauscht und man zulässt, dass schließlich, jeder seine Wahrheit in einem Brüderlichkeitsgeist behält
“ ALLAHOAKBAR „, wenn man die Gewalt missbilligt und für den Frieden und die Freundschaft unter den Völkern wirkt
“ ALLAHOAKBAR „, wenn ich lächle und nach dir die Hand ausstrecke, ob Jude, Atheist oder Christ.
„ALLAHOAKBAR“ für diejenigen, die verstanden haben, dass Gott Liebe ist und dass der Gruß des Menschen nur durch diese universale Kraft für seinen Nächsten ausgedrückt wird.
„ALLAHOAKBAR“ süßer Gedanke und das Gebet für dich Loubna meine Liebe und für alle Opfer, die für immer in unseren Herzen und unseren Denkschriften leben werden.

2. Beitrag der deutschen Gruppe

Die alles bestimmende Prekarisierung…?

1. Unsere Erfahrungen der Arbeit und des Lebens in der gegenwärtigen Situation unserer Länder
2a. Woher kommt das Gefühl grundsätzlicher Unsicherheit bei uns selbst und den Leuten um uns herum?
2b. Wie sehen wir selbst den wachsenden Nationalismus in Europa?
3. Was ist uns Hilfe in dieser Situation, um gemeinsam einen Weg der Stabilität, der Sicherheit und des Vertrauens zu gehen?
* Der jüngste Armutsbericht der Bundesregierung stellt fest: Einmal ist in Deutschland die Kluft zwischen den 20% der unteren Einkommen und den 10% der höchsten weiter vertieft worden. Und zum anderen gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Armut und Desinteresse an Wahlen. In manche*n Stadtvierteln, z.B. der letzten Kommunalwahl in Krefeld, sind weniger als 20%
* Die Agenda 2010, die „Reform des Arbeitsmarktes“, hat bewirkt, dass die Angst der Mittelschicht vor dem sozialen Abrutschen groß geworden ist. Und sie ermöglicht Arbeitsverhältnisse, die bis dahin nur aus den Ländern des Südens bekannt waren. Viele Menschen sehen mit oder ohne Erwerbsarbeit ihre finanzielle Existenz nicht gesichert. Auf der Suche nach den Schuldigen für ihre Situation sehen nicht wenige die „Konkurrenten“ der Arbeitsplätze, zunächst Menschen aus den südöstlichen EU-Ländern, zunehmend in Eingewanderten und Asylsuchenden.
* Die hohe Zahl von Flüchtlingen im Jahre 2015, mittlerweile als „Flüchtlingskrise“ offiziell diffamiert, hat in 2016/2017 zu einer bis dahin beispiellosen Verschärfung der Gesetze für Flüchtlinge geführt: Anerkannten Flüchtlingen werden freie Wahl des Wohnortes und Einreise der Familienangehörigen verweigert. Abschiebungen werden zum ersten Mal direkt in Kriegsgebiete wie Afghanistan vollzogen. Selbst der Tod von abgeschobenen Flüchtlingen nach ihrer Rückkehr hat die Bundesregierung nicht zum Umdenken bewegt. Mit den Verschärfungen soll, nach offizieller Lesart, den Rechtsextremen der AfD das Wasser abgegraben werden. Selbst Spitzenpolitiker der Linken sprechen von der Notwendigkeit einer „Begrenzung des Zuzugs von Flüchtlingen…“ Damit rückt Deutschland ein weiteres Stück nach rechts.

 

Unserem Kreis der Arbeitergeschwister sind prekäre Arbeit und prekäre Lebensumstände vertraut. Wir kennen den Druck, dass jeder Monat ein finanzielles Existenzrisiko ist. Wer von uns im Niedriglohnsektor arbeitet, erlebt sich als jederzeit ersetzbar. Das hat Auswirkungen auf die Angst, sich krank zu melden. Der psychische Stress, auch in schlecht bezahlten und einfachen Tätigkeiten, wächst. Arbeit ist nicht mehr nur ein Teil des Lebens zur Sicherung des Lebensunterhaltes: Die Niedriglohnjobs verlangen eine totale Flexibilisierung und Erreichbarkeit. Freizeit reduziert sich auf Essen und Schlafen. Gesellschaftliche Teilhabe ist durch die Arbeit, aber auch die Lebensumstände, kaum noch möglich. Sozialpolitische Aktivitäten können fast nur noch von denen getan werden, die nicht mehr im Berufsleben stehen. Entsprechend gering ist auch die Bereitschaft, sich politisch auseinanderzusetzen oder wählen zu gehen.
Viele Betriebe im Niedriglohnsektor verstoßen gegen zahlreiche Sozial- und Arbeitsgesetze, oft ohne jeden Widerstand. Daher spielen Betriebsrat und Gewerkschaft eine für uns kaum wahrnehmbare Rolle. Nicht wenige Betriebe verhalten sich gewerkschaftsfeindlich. Der Wille zur Gegenwehr ist aber auch gebremst, weil es oft nicht die einzige Arbeitsstelle oder ohnehin nur eine kurze Zeit dort zu arbeiten beabsichtigt ist. Viele, vor allem jüngere Kolleginnen und Kollegen, sehen für sich nur geringe Chancen, der sozialen Abwärtsspirale zu entkommen.
Angst und wachsender Druck greifen auch in den verbliebenen Arbeitsverhältnissen der traditionellen Industriebetriebe: Ältere, Langsamere und solche, die Fehler machen, werden unter Druck gesetzt, bis sie von selbst psychisch krank aufgeben. So erzählt Gerhard aus seiner Arbeit, wie zwei ältere Kollegen von ihrem alten Arbeitsplatz versetzt werden, um sie zur eigenen Kündigung zu bringen.
Dieselbe Angst erleben die von uns, die im sozialen oder Gesundheitsbereich tätig sind. Wenn es hier überhaupt Vergütungen gibt, dann sind sie kaum existenzsichernd. Der monatliche Kampf, die eigene oder die Existenz der Familie oder Mitbewohner finanziell zu sichern, bewegt auch manche aus unserem Kreis.
Der Kapitalismus frisst uns mit allem, was wir sind. Es sind keine Nischen der Verweigerung oder des Widerstands vorgesehen.
Die Verwerfungen der Globalisierung, die zunehmende Verarmung größerer Teile der Bevölkerung in den wirtschaftlich reichen Ländern, spüren wir selbst in unserem Lebens- und Arbeitsalltag. Es ist vor allem für Junge schwer, überhaupt eine Lebensperspektive zu entwickeln.
Z
usätzlich wächst der Rassismus, den junge Kollegen mit ausländischen Wurzeln besonders spüren: Sie, die hier in Deutschland geboren sind, sehen sich auf ewig als „Ausländer“ ohne Chance auf gleichberechtigte Teilhabe. Typisches Beispiel ist ein jemenitischer Kollege von Albert, der als gelernter Pilot sich in Deutschland um die Staatsbürgerschaft bewerben wollte, um so in seinen erlernten Beruf zu kommen. Jetzt sieht er, dass durch seinen Namen und die Terrorhysterie dafür kaum eine Chance mehr besteht.
Die Anderen, eher „Einheimischen“ von ihrer Herkunft her, versuchen durch rassistische Bekenntnisse der Unsicherheit des Alltags zu entkommen. Wir, als Arbeitergeschwister, kennen die vielen subtilen und offenen Formen von Alltagsrassismus unter Kolleginnen und Kollegen.
Wenn wachsender Nationalismus die Kehrseite der entgrenzten Globalisierung ist, könnte so auch eine neue Form von Nationalismus unter Kollegen mit ausländischen Wurzeln zu verstehen sein: Türkische Kollegen, die sich nie für Politik interessiert haben, bekennen sich jetzt für Erdogan und seine „Verfassungsreform“, „weil er die Türkei stark macht gegen den Westen…“
Beim letzten Treffen der Arbeitergeschwister haben wir uns schon mit dem Thema für das internationale Treffen beschäftigt. Ein Impuls war uns der Satz von Dietrich Bonhoeffer, „dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will…“
Wenn auch nicht alle von uns im Blick auf die Welt um uns vom „Bösesten“ sprechen wollen, bleibt doch der Impuls, dass immer wieder Gutes und Neues entstehen kann – mit Gottes Wille und unserem oft sehr gegrenzten Engagement.
Für das, was uns Stabilität, Sicherheit und Vertrauen gibt, sind daher unsere „zweiten“ Standbeine wichtig, unsere vielfältigen solidarischen Engagements, die uns oft schon viele Jahrzehnte bewegen. Dies sind z.B.:
*
Straßenexerzitien, die immer wieder neue Menschen ins Nachdenken und mit unserem Kreis in Kontakt bringen.
*
Langjährige Kämpfe gegen die Privatisierung der Wasserversorgung in Berlin,
*die Gemeinschaft eines Taxikollektivs mit solidarischen Löhnen,
* Solidarität gegen Abschiebung nach Afghanistan und gegen die Einschränkung von Lebensmöglichkeiten der Flüchtlinge an vielen Orten, wo wir leben.
*
Auch der Versuch, auf vielfältige Weise in kirchlichen Kreisen für Internationalität und Solidarität immer wieder beharrlich zu werben
*
Natürlich den Kampf gegen die AfD und den Rechtsruck, in den Städten und Stadtteilen, in denen wir leben, z.B. in Krefeld haben wir verhindert, dass sie überhaupt Kandidaten für die nächsten Wahlen aufstellen konnten
*
Und natürlich unsere Verankerung in internationalen Solidaritätsaktionen, z.B. zu Brasilien durch die Mercedes-Kollegen, nach Peru für die Erhaltung des Regenwaldes und viele durch langjährige internationale Kontakte gewachsenen Solidaritätsprojekte, die oft sehr persönliche Wurzeln haben…

3. Beitrag der englischen Gruppe

1. Unsere Erfahrungen in der Arbeit und im Leben in der aktuellen Situation unserer Gesellschaften

Man kann davon profitieren, sich eine Stadt wie Coventry anzusehen: Früher die englische Stadt für die Autoproduktion. Heute sind die Gelände der Fabriken zu großen Läden geworden oder für die Gebäude der neuen Industrie – die Universität. In den USA spricht man von der „Rust Belt“, den Städten mit ruinierten Fabriken, die noch wie Gräber überall im Land bleiben.

Viele Städte in England (und überall in Europa) hatten vor einigen Jahrzehnten große Industrieunternehmen, in denen Tausende von Arbeitern schafften. Aber die Fabriken sind verschwunden; und die Menschen finden sich ohne Beschäftigung und ohne die Möglichkeit, Beschäftigung zu finden. Vielleicht können einige der Jugendlichen Arbeit finden in der Dienstleistungsindustrie, oder in der Informatik. Aber die meisten werden vergessen, aus dem Leben der Geschäfte herausgehalten.

Aber wir kennen viele Jugendliche, die eine andere Art des Arbeitens finden wollen – nicht beschäftigt in einem Unternehmen, sondern die bei sich zu Hause in mehreren verschiedenen Aufgaben (z. B. in den neuen Medien im Internet) arbeiten. Man spricht von einem „Portfolio lifestyle“. Sie können dabei entscheiden, wann sie arbeiten wollen und mit wem – vielleicht von Zeit zu Zeit mit Freunden oder manchmal allein. Sie möchten freibleiben. Zufrieden ein Appartement mieten, ohne ein eigenes Haus zu kaufen wie ihre Eltern. (Aber andererseits sind die Häuser oft sehr teuer geworden.)

Sue hat gesagt: Ich arbeite für die größte Versicherungsgesellschaft im Vereinigten Königreich. Wir sind „Unterzeichner“ (?) und wir sind 150 Personen, die in 5 Städten wohnen. Das ist ein Beruf, der ein hohes Niveau von Kenntnissen und technischer Kompetenz verlangt. Aber die „Unterzeichner“ waren gefragt.

Aber heute verlangen die Klienten schnelle Antworten, wenn sie sich um eine Lebensversicherung bewerben. Die Fortschritte in der Technologie haben zu 85 % der Entscheidungen geführt, die per Computer kalkuliert worden sind. Im Januar wurden in der Equipe der „Unterzeichner“, die in Birmingham arbeitet, 13 Personen entlassen. Das war ein großer Schock. Gewiss für die Kollegen in Birmingham, aber auch für die Kollegen in den anderen Equipen. Ein früher sehr sicherer Beruf ist jetzt sehr zerbrechlich geworden. Die Einsicht, dass nur 10 % der Unterzeichner entlassen wurden, ist kein Trost für die anderen. Alle hatten Angst – vielleicht bin ich beim nächsten Mal an der Reihe? Die Unsicherheit gebiert Unsicherheit.

Phil hat gesagt: Ich wurde im Oktober 2015 entlassen. Zur gleichen Zeit wie drei andere Kollegen unserer Gruppe von Sicherheitsarbeitern in gefährlichen Fabriken. Wir waren ein kleines Stück eines großen Unternehmens, das sich „Arcadis“ nannte. Die meisten der Beschäftigten arbeiten in der Konstruktion von großen Projekten in der Bauwirtschaft, von Büros und in der „Infrastruktur“ Jedoch sind die meisten auf ihrem Platz geblieben – aber was ist mit ihnen passiert?

Während der letzten Monate sind diejenigen, die geblieben sind, aus dem Unternehmen ausgelagert und in ein kleines unabhängiges Unternehmen versetzt worden Einer ist in Rente gegangen. Es sind von meinen FreundInnen nur vier.. Und jetzt sind die Mitglieder der Gruppe, die für die Sicherheit in der Nuklearindustrie arbeitet, von Entlassung bedroht. Immer wieder die Unsicherheit!!

2a) Woher kommen die Ängste und die Gefühle der Unsicherheit in uns und für die Leute um uns herum?

Wir leben mit mehreren Gründen der Unsicherheit:

— die Globalisierung führt zur Unsicherheit der Beschäftigung — Die Verträge für Nullstunden — Die „Überlebenslöhne“ und die Erniedrigung der Niveaus komplementären Sozialversicherungen – Die neue und zunehmende Gesetzgebung verringert die Macht der Gewerkschaften und entsprechend die Anziehungskraft auf möglichen Mitglieder

— Die Leistungen der Gesundheitsdienste — Die Immigration mit der reellen oder eingebildeten Angst, dass die Löhne erniedrigt werden durch die neu Ankommenden, die die niedrigen Löhne akzeptieren

— Die Immigranten und ihre Kinder müssen sich gegen die Vorurteile und die Gewalttaten der „eingeborenen“ Bevölkerung wehren. — Mit der zunehmenden Automatisierung (in den Fabriken und in der Landwirtschaft) braucht man keine Arbeiter mehr

Ein Programm von einem Radio in England „Digital Human“ hat von einer Epidemie des Hasses“ gesprochen. Ein „Ressentiment“ wächst aufgrund der neuen Medien (Facebook, Twitter). Sie erzeugen und propagieren eine Wut – von den Politikern (z. B. wie Trump, Le Pen und Modi) ausgenutzt. Sie schaffen eine Tobsucht im Volke und eine Politik des Ausschließens und des Hasses. Die Leute schauen nur nach dem Bild der eigenen Gesellschaft. Sie denken nicht an die Situation der anderen. Die Leute sind ganz und gar in Wut; sie schauen nicht nach den Dingen der Gesellschaft, die von ihnen wirklich Wut verlangt. 17.4.2017

Wir haben viel Angst für die Umwelt. Verbunden mit der Verschmutzung, der Erwärmung des Planeten. Das stabilisiert sich. Dazu die Verneinung der Wissenschaft des Klimawandels unter den Bewegungen der Rechten, vor allem in den USA. Das erschreckt uns.

In den Ländern wie England, Ungarn, wo sie die Gesetzgebung gegen die Einwanderung wollen, können die Menschen nicht begreifen, dass bestimmte Kategorien von Arbeitern wichtig sind – Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Gastronomie, Freizeitindustrie usw.

Alle Gesellschaften haben demographische Veränderungen; ein Land hat viele Jugendliche, die Bildung brauchen; ein anders hat viele Alte,, die Sorge und Hilfe brauchen. Wer bezahlt das alles, und wie?

2 b) Wie betrachten wir den Aufstieg der Nationalismen in Europa?

Es gibt eine ganze Klasse, die sich rechtfertigt, dass die entsprechende Regierung sie vergessen hat. Sie haben „Überlebenslöhne“ oder Bedingungen ohne Hoffnung auf Verbesserung. Das Prekariat. Wohin soll man sich wenden? Zu der nationalen Erneuerung? Das scheint eine zu leichte Antwort zu sein.

Die politischen Volksparteien sprechen von der Möglichkeit, das industrielle Leben nochmal neu zu schaffen. Das ist eine Richtung, die schlecht anvisiert ist.

– Die Welt hat sich geändert: Die Industrien sind modernisiert oder sind ungünstig wegen der Verschmutzung oder sind noch nicht notwendig. Die harte Arbeit wird per Automation gemacht. So kommen gibt es neue Arbeiten in der Informatik.

Diejenigen, die die Parteien der Rechten gewählt haben, werden enttäuscht werden. Entweder bleiben die Immigranten und die Arbeiter noch oder sie gehen fort. Werden die Leute in den Städten von Nordengland in die Länder des Ostens umziehen, um in den Salatfeldern zu arbeiten?

3. Was hilft uns in dieser Situation, um zusammen einen Weg der Stabilität, der Sicherheit und des Vertrauens zu gehen?

Wir können die Aktionen auf politischer Ebene unterstützen, wie:

— Die Idee eines garantierten Grundeinkommens kann Hoffnung machen. Das wird in Finnland, Utrecht, Ontario probiert und ist für Glasgow vorgesehen.

— Ein Ende der Austeritätsprogramme (Sparprogramme) — Eine Steuerreform, um zu beginnen, die Einkünfte zu verteilen. — Reform des Sozialen Dienstes. – Politische Reform Vielleicht ein Verhältniswahlrecht in England

Aber es bleiben und Fragen.

— Es gibt viele Menschen, die vom Errichten von Barrieren, von Zäunen sprechen. Wie können wir sie zerstören und die Tore öffnen? — Wie können wir miteinander sprechen, über die Grenzen, die Sprachen, die Kulturen, die Glaubensüberzeugungen, die politischen Unterschiede hinweg?

— Wie können wir die Vergessenen wieder verbinden mit der Gesellschaft und dem politischen System und das System mit ihnen. verbinden?

Aber wir finden Zeichen der Hoffnung in unserem Engagement in den gemeinsamen Aktionen z.B in der Caritas, in den Kirchen und in den neuen Formen der Arbeit, z. B. in den kleinen genossenschaftlichen Werkstätten und in der Kreativität des menschlichen Geistes.

Psalm 133, 1 Schaut nur, wie fein und wie lieblich es ist, wenn Brüder in Eintracht zusammenwohnen,

Habakuk 3,17,18: Denn die Feige trägt keine Frucht, an den Weinstöcken ist kein Ertrag, der Ölbaum bringt nichts mehr ein, das Feld liefert nicht mehr nährende Kost. Bei den Hürden sind die Schafe fort, es gibt in den Ställen kein Rind. Aber ich will mich freuen des Herrn frohlocken über Gott, der mir hilft.

Ich. Daniel Blake“ Ein Film– Eine Geschichte der aktuellen Wirklichkeit in England

Für das erste Mal in seinem Leben ist Daniel Blake, ein englischer Tischler von 59 Jahren, gezwungen, soziale Hilfe zu erbitten wegen Herzproblemen. Und obwohl sein Arzt ihm verboten hat zu arbeiten, sieht er sich verpflichtet, eine Arbeit zu suchen, unter Androhung von Strafe. Im Laufe der regelmäßigen Termine im „Job- Center“ wird Daniel den Weg von Katie kreuzen. Sie ist alleinstehende Mutter von zwei Kindern. Sie wurde verpflichtet, eine Wohnung in 450 km Entfernung von ihrer Geburtsstadt anzunehmen, um nicht in einem Heim untergebracht zu werden. Eingefangen in dem Netz der verwaltungsmäßigen Verirrungen von Groß – Britannien von heute, werden Daniel und Katie versuchen, sich gegenseitig zu helfen.

4. Beitrag der französischen Gruppe

Titel: Zur Prekarität verurteilt ?

1 ) Unsere Erfahrungen der Arbeit und des Lebens in der aktuellen Situation unserer Gesellschaften

Um zu beginnen: der Schrei der Arbeiterjugend

Wort der JOC ( CAJ) vom Samstag 15. April 2017

Versammlung der „Jugendlichen, der anständigen Arbeit beraubt. Sind wir nichts? Lasst uns alles sein“

Die Krankheiten und die unwürdigen Bedingungen, die mit der Arbeit verbunden sind, führen zu 15 000 Todesfällen pro Jahr in nserer Gesellschaft. Das sind fünfmal mehr als die Toten bei Unfällen auf den Straßen jedes Jahr. Die Prekarität und die Entbehrungen sind also Probleme der öffentlichen Gesundheit geworden

Für 99 % unter uns erlaubt die Ausübung einer Beschäftigung wirklich die Autonomie zu übernehmen. Aber nicht jedwede Arbeit. Die Arbeit steht so im Zentrum unserer Sorge; aber wir wollen, dass die Würde voll im Zentrum der Arbeit steht. Vor mehreren Jahrzehnten hatten die Jugendlichen einen Stolz des Kollektivs und der gut gemachten Arbeit; heute sehen wir, dass uns das entzogen wird. Wir haben einen klaren Blick auf die Welt der Arbeit, die uns erwartet: eine Welt, in der wir keine Rechte haben, wo wir allein sind, um dem zu widerstehen, in einem System, das durch das Geld seinen Rhythmus erhält Und dabei sind wir Millionen von Betroffenen. Dennoch, unsere Umfragen zeigen, dass 3 von 5 Jugendlichen bereit sind, ihre Rechte zu verteidigen und die ihrer Kollegen.

Heute ist ein Bruch entstanden zwischen der Jugend und den Institutionen, was die Jugendlichen dazu führt, dem Leben von sich aus zu widerstehen. 75% der Jugendlichen denken, dass die Jugendlichen nicht gehört und anerkannt werden durch die Gesellschaft. Nur wenige Jugendliche, Frauen und andere unterrepräsentierte Bevölkerungsteile können ihren Patz in den demokratischen Institutionen (politisch, sozial, wirtschaftlich) finden.

Wir sind also beraubt unserer Fähigkeit des Handelns, unseres Sinnes für das Engagement und unserer Kraft, Vorschläge zu machen

Das führt einen Teil unserer Jugend dazu, den Wahlurnen den Rücken zu kehren; denn unsere Generation, vielfach durch ihre unbeständige Anpassung, ist an den Rand der Gesellschaft verbannt. (Wort de JOC/CAJ)

Erfahrungen von Arbeiterpriestern in professioneller Aktivität (POAP)

Zeugnis von Dominique:

Dominique POLY ist Frère Missionaire des Campagnes. Er ist Mitglied im Kollektiv der Arbeiterpriester und nimmt an den Treffen der POAP.

Aktuell lebt er in der Gemeinschaft in LA Carneille , Departement von L’Orne.

In prekärer Situation

In der Gemeinschaft im Departement von L’Eure in Canappeville, auf dem Land, habe ich 12 Jahre in CDI (??) als Verkäufer in der Gärtnerei gearbeitet. Im Jahre 2012 wurde ich losgeschickt um eine Gemeinschaft in L’Orne, in Carneille, zu gründen, auf dem Land, mit einem Projekt einer Gemeinschaft „ Sensibilität für die Umwelt“.. Ich war aus der Arbeit entlassen, so fand ich mich als Arbeitsloser vor. Und da war meine Frage: „Was werde ich machen können?“ Ich habe eine Ausbildung als Gärtner, und ich habe mich in einer Situation von Prekarität vorgefunden. Auf der Suche nach Arbeit habe ich in den Geschäften einen Aushang angebracht, dass ich Arbeit suche, in Cheque- Emploi_ Service (??), bei Einzelpersonen, als Gärtner. Und so habe ich angefangen zu arbeiten, bei älteren Leuten vor allem. Eine physisch schwere Arbeit. Ich habe auch in einer Gemeinde gearbeitet, in Saint – Opportune, einen Tag pro Woche, mit einem Jahresvertrag, aber ich weiß nicht, ob dieser Vertrag in 2017 noch gelten wird. Ich arbeite während der Monate März, April, Mai in einem Halb- Zeitvertrag, in einer Gärtnerei als Verkäufer in der Baumschule, und im Sommer während 5 Wochen in Vollzeit. Drei prekäre Beschäftigungen:: Gärtner, Verkäufer und als Wartungsarbeiter. Es ist eine unstabile Situation, aber ich lebe sie ganz gut. Ich arbeite an sechs von sieben Tagen, 5 Monate im Jahr. Und in den Monaten danach ist es ruhiger. Seit vier Jahren finde ich ein besseres Gleichgewicht von spirituellem Leben, auch von Gemeinschaftsleben und Leben der Eingliederung. Vor diesem Wechsel war ich in CDI (??), aber ich arbeitete jeden Samstag, einen Sonntag alle zwei Wochen, an allen Feiertagen, außer Weihnachten und Neujahr. Das sind prekäre Arbeiten, die ich anfangs nicht ausgewählt hatte. Als Ordensmann ist man aufgefordert, die Gemeinschaft zu wechseln, und bei derselben Gelegenheit auch die Arbeit. Das ermöglicht eine Erneuerung, neue Projekte zu realisieren, eine andere Region kennen zu lernen. Mit mehr als 50 Jahren eine neue Arbeit zu finden, ist nicht leicht. Ich denke, dass ich doch noch zu den Privilegierten gehöre.

Zeugnis von Jean – Pierre MACON

Die Prekarität heute in der Arbeit. Eine Feststellung und eine Herausforderung

./… „Wenn ich heute als Priester in Arbeit bin, das ist um mitten unter meinen Brüdern zu sein. und meinen Brüdern, die die Messe lesen, zu sagen, was ich sehe an Leiden und heiklen Sachen. Wenn ich morgens um 5 Uhr 30 in die Metro einsteige, wen sehe ich da? Meine Migrantenbrüder, die auch zu ihrem harten Tagesmarathon unterwegs sind. Ich sehe in ihnen Männer und Frauen in großer Prekarität und denen es sehr schwer fällt, aus diesem Drama rauszukommen, das unsere Gesellschaft hervorbringt. „Wird man mich morgen noch brauchen?“ Vor 30 Jahren war das so meine Frage. Ich bin dann Priester bei den Fils de la Charité geworden. Meine Kongregation hat mich gehört und mir geantwortet, dass ich in die Arbeit gehen sollte. Seit dem letzten Januar bin ich verpflichtet zu akzeptieren, dass ich auf dem Umweg einer Leihfirma arbeiten soll (sie hat 220 000 Menschen beschäftigt). Sie organisiert meine Planung. Unglücklicher Weise sind wir nur nach stundenweise geleisteter Arbeit bezahlt (??). Sie kümmern sich sehr wenig um die Gesundheit der Person, um den Grad der Ermüdung und der Mutlosigkeit. Man ist Sklave der modernen Zeiten. Man ist eingeschlossen in die Prekarität. Ich habe Kollegen und Kolleginnen gesehen, von der Arbeit verbraucht, angewidert von den Verhaltensweisen der Verantwortlichen der Stadt. „ Hier sind die Dinge, die zu machen sind. Macht sie schnell und gut“…Und wenn wir uns weigern, den Auftrag anzunehmen – Morgen hätte ich keinerlei Vorschlag mehr.

+ Wir haben nur Kontakte und Aufträge von einem Tag/ einer Woche, sehr wenig von langer Dauer + Wir können nichts außerhalb der Arbeit organisieren (Und wenn die Agentur mich anruft?)

+ Die Zeit für den Transport ist beachtlich. (wegen des Pariser Kontextes). Ich persönlich hatte bis zu drei Stunden Transportweg. + Niedrige Löhne, keinen Urlaub, keine Erholung. Das habe ich festgestellt. Wie ist es möglich, dass die Zeitverträgler/ Leiharbeiter 15 Tage ohne Unterbrechung arbeiteten?

Suchen und hören wir den Grund, den mir Moussa mitgeteilt hat: „Moussa teilt mir mit, dass er seine Frau und vier Kinder in seinem Land hat, dazu noch seine Eltern und vier Schwestern, von denen eine behindert ist. Das ist in Mali. Er ist der einzige, dem es gelungen ist, in Frankreich zu bleiben. Weil er Gesundheitsprobleme hat, hat er das Recht gehabt, hierzubleiben. Jetzt geht es ihm besser dank einer medizinischen Behandlung. Er schickt mehr als die Hälfte von seinem Lohn in sein Land. Und er erzählt weiter: „ Hier langweile ich mich. Ich lebe in einem Appartement zu fünft. Ich habe ein Zimmer für zwei. Man trinkt, man schaut Fernsehen und ich bete, dass sich mein Leben ändert. Die Kollegen, mit denen ich lebe, sind wie ich, aber sie spielen mit den Pferden (Wette ??) Ich, wenn ich heimkomme, ruhe ich mich aus, ich bin müde, um den Abwasch zu machen und werde wenig beachtet. Man interessiert sich wenig für das, was ich bin und was ich lebe, “

2 a/2b Woher kommen die Ängste und die Gefühle der Unsicherheit in uns und bei den Leuten um uns herum? Wie sehen wir das Ansteigen der Nationalismen in Europa

Die Analyse der PO in Caen

Die Zunahme der Nationalismen in Europa?

a-) Österreich, Polen, Tschechische Republik, Dänemark, Norwegen, Niederlande … im Namen der « europäischen Zivilisation » und des « unser Land zuerst » verhält sich ein immer größerer Teil der Bevölkerung dieser Länder Ausländern gegenüber abweisend, insbesondere Muslimen gegenüber. Das trifft auch auf Frankreich zu. Der Verweis auf die Ausländer als Sündenbock verstärkt den Nationalismus.

b-) Ein Großteil des französischen Volkes hat, vor allem im Wahlverhalten, gezeigt, dass es kein Europa der Finanzen, des Wirtschaftsliberalismus zu Gunsten der Banken und erst recht keine Politik der Sparmaßnahmen will. Das hat sich beim EU-Verfassungsreferendum 2005 gezeigt, bei dem das NEIN den klaren Sieg davongetragen hat. Aber die Rechte, die an der Regierung war, hat dem keine Konsequenzen folgen lassen. Auch Hollande wurde zum Präsidenten gewählt, weil er sich selbst als Gegner der Finanzmacht darstellte – allerdings hat sich in der Folge das Gegenteil erwiesen.

Dieser Mangel an der (vom Volk gewünschten, Anm.d.Ü.) anderen Politik, die gegen Sparmaßnahmen ist, hat bei einem Teil der Bevölkerung einen Rückzug ins Private (korrekte Übersetzung?) zur Folge und den Wunsch nach einem Frankreich für die Franzosen. Das verstärkt den Nationalismus.

c-) Ob Rechte oder Linke in Frankreich an der Macht waren, sie haben immer versprochen, die Arbeitslosigkeit zu senken. Allerdings zwangsläufig ohne jeden Erfolg, bedenkt man ihre wirtschaftsliberale Politik der Ungleichheit.

Die soziale Unsicherheit, die Ungleichheiten, die durch Verlagerungen (der Produktionsstätten – Anm.d.Ü. – korrekt ?) entstehen, und die Tatsache, dass die Arbeiter verschiedener Länder als Konkurrenten gegeneinander ausgespielt werden, all das befördert den Nationalismus.

d-) Der Boden, auf dem der Nationalismus gedeiht: die Sparpolitik. Frau Le Pen stellt sich als Fürsprecherin der Vernachlässigten dar und bezeichnet die Immigration als Quelle allen Übels.

e-) Die MigrantInnen, die Flüchtlinge, die AsylbewerberInnen, die Papierlosen, kurz: alle Unglückseligen allerdings kommen ja gerade nach Europa, weil sie sich gezwungen sehen, vor Krieg und Elend zu fliehen.

Aber es gibt Leute, die sie zurückweisen, weil sie denken, dass durch sie die Situation der Einheimischen noch verschlechtert wird. Und die rassistischen, fremdenfeindlichen, anti-muslimischen Diskurse der extremen Rechten bestätigen sie in dieser Auffassung.

Auch das verstärkt den Nationalismus.

f-) Die Wahl von Trump und der Brexit geben den Nationalisten Auftrieb für einen Austritt aus der EU und für eine Rückkehr zur nationalen Identität. Und damit können sie bei vielen Menschen in prekären Situationen landen (Arbeitslose, Bauern …). g-) Wenn wir die Zunahme extrem rechter Positionen sehen, macht es uns besonders betroffen, dass offenbar zu viele Menschen vergessen haben oder gar nicht wissen, welche Dramen in jüngster Vergangenheit durch die extreme Rechte verursacht wurden. Der Nationalismus der 1920er und 30er Jahre war der entscheidende Auslöser für den Zweiten Weltkrieg.

3) Was hilft uns, gemeinsam einen Weg von Stabilität, Sicherheit und Vertrauen zu gehen?

Zeugnis von Jean Pierre MACON – Folge

Was machen?

Seit ich Moussa gehört habe, bin ich aufmerksam für diejenigen, die wie er die Privilegierten Gottes sind. Ich höre ihnen zu, bestärke sie, gehe mit ihnen auf dem Weg zurück. Ich bin weit davon entfernt, ihnen was auch immer vorzuschlagen, zu fordern. Aber der Raum eines Augenblickes, manchmal prekär, hat das WORT ihnen erlaubt, jemand zu SEIN, weil sie die Wesen sind, die von Gott geliebt werden. Das ist der Grund, warum ich da bin, in ihrer Nähe und dass Christus selbst anwesend ist,

Was muss gemacht werden, damit die Dinge sich ändern?

+ Ich glaube, es wäre gut, diesen Brüdern aus der Migration in Zeitarbeitsverträgen eine Zeit des Teilens, der gastfreundlichen Begegnung zu ermöglichen oder vorzuschlagen.

+Moussa interessiert sich auch für alles, was die Küche betrifft, die Küchengeräte. Ihnen helfen, ihre Arbeit wertzuschätzen, indem man sie einlädt Dinge zu machen. „ Dass jeder Koch die Erfahrung davon machen könnte. Vielleicht würden sie sich anders organisieren“ Ich habe Moussa nur viermal in den letzten 7 Monaten gesehen. Aber jedes Mal ist das ein Vergnügen, ein großer Augenblick von Gemeinsamkeit. Jedes Mal erzählt er mir von den Kindern.

Analyse der PO aus CAEN ( Folge)

a-) Glücklicherweise kämpfen die meisten Gewerkschaften gegen die extreme Rechte und klären über die Gefahren auf… aber das sind noch zu wenige, zumindest in Frankreich…

b-) Alle politischen Parteien (selbst diejenigen, die die Sparmaßnahmen verteidigen) sagen von sich, dass sie gegen den Front National sind. c-) Die linken Katholiken sind sichtbar aktiv, um die Rechte der AusländerInnen zu schützen und ihnen Respekt zu verschaffen, um gegen den Front National zu kämpfen und um die Politik aufzurufen, den Menschen wieder zum Mittelpunkt ihrer Anstrengungen zu machen… allerdings gibt es auch zu wenig Christen…

D. Zum Schluss: Platz für das Wort Gottes

Aufnahme des Beitrags von Bischof Brunin bei der Versammlung der Kapläne der Bewegung der AC (KAB)

Die Menschen aus dem Volksmilieu funktionieren wie menschliche Wesen und als solche sind sie keine reinen Geister. Die Verkündigung des Evangeliums muss sich ausrichten auf die „Inkarnation des Evangeliums“ Mit Sankt Johannes glauben wir, „ dass das Wort Fleisch geworden ist…und dass es sein Zelt unter uns aufgeschlagen hat“ (Joh. Kapitel 1). Das Evangelium verbindet sich mit den Menschen und es wird wirksam, in dem es Körper in ihrem Leben wird. Die Wirkungsweise des Evangeliums offenbart sich als Aufruf, Infrage stellen, Widerspruch und Bestätigung (das Ja und das Nein des Wortes Gottes), Vorschlag für einen Lebensweg. Es bleibt für den, der das Evangelium als Wort empfängt, das ihn betrifft, eine Einladung, sich durch es transformieren zu lassen. Der Kontakt mit dem Wort muss konstant und ausdauernd sein.

Der Papst Franziskus nennt uns den wesentlichen Platz des Wortes Gottes. „Wir können feststellen, dass das Wort Gottes sich nicht offenbart wie eine Folge von abstrakten Thesen sondern als eine Weggefährtin, einschließlich der Familien, die sich in Krise befinden oder mit einem Leiden oder etwas anderem konfrontiert sind und zeigt ihnen das Ziel des Weges“ (Amoris laetitia, 22.) Das Evangelium macht es möglich, schwierige Situationen oder die Prüfungen zu durchstehen, um in die Hoffnung eintreten zu können; denn „jede Krise verbirgt eine gute Nachricht; man muss zu hören verstehen, um das Ohr des Herzens zu läutern „ (A.L. 232)

Im Kontakt mit den Jugendlichen die Grammatik des Menschlichen erlernen und ebenfalls zu der Überzeugung gelangen, dass wir das Evangelium nicht im Vorbeigehen verkünden, sondern in der Nähe und als Begleitung, die sich geduldig einfühlt, einen Weg in dem Lebenslauf zu unterstützen.

5 Beitrag der italienischen Gruppe

Woher kommen die Ängste und die Gefühle der Unsicherheit in uns und für die Menschen um uns herum und die Hoffnungen daraus zu kommen?

Jede Epoche hat ihre Ängste. Nach den Sicherheiten des Fortschrittes und der Arbeit für alle breitet sich in unserer Epoche ein großer Pessimismus aus. Behalten wir im Kopf, dass sich in 50 Jahren die Weltbevölkerung verdreifacht hat und sich die Ressourcen erschöpfen. Viele Menschen sind ärmer geworden. Die sozialen Unterschiede vergrößern sich, die Reichen häufen an, die Ausgeschlossenen nehmen zu. Wir, die wir die Apokalypse wieder lesen, wir finden zahlreiche Elemente der Wiedererkennung und die lassen uns nachdenken. Der Konflikt situiert sich zwischen der Angst, dem Misstrauen, der Ängstlichkeit und den Elementen der Gegenwart des Geistes und der Hoffnung, gegründet auf dem Reich des Vaters und seiner Entscheidung zur Menschwerdung, Passion und Auferstehung.

In den letzten Jahren wird viel von der Krise gesprochen, die viel Furcht hervorruft: Angst um die Zukunft, Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder keinen zu finden, Angst um die Gesundheit, vor den Attentaten, sein Haus zu verlassen. Alles das erweckt Misstrauen, Einsamkeit, Rückzug, Entmutigung, weil wir keine Lösungen sehen und den Ausgang aus dem Tunnel.

Diese Situation hat mehrfache Gründe, vor allem strukturelle, und fragt uns, wie sie das Leben der Menschen beeinflusst. Wie haben sich das Leben und die Beziehungen verändert? Das alles scheint in Funktion des Marktes zu geschehen: Geschäfte, Verträge, Zeiten. Das Leben der Menschen zählt nicht mit seinen Beziehungen, der Freizeit, der Familie. Das ist ein langer Prozess, der 50 Jahre gedauert hat und seinen Höhepunkt am Ende des letzten Jahrhunderts gekannt hat. Was die Wirtschaft betrifft, die Ressourcen, das Erdöl, die Anhäufung der Reichtümer in den Händen von einigen.1 % der Weltbevölkerung besitzt 46 %, ungefähr die Hälfte. 10 % besitzen 85 % der verfügbaren Ressourcen. 50% der Weltbevölkerung besitzt nichts.

Wir können sagen, dass wir eine Oligarchie von 10% haben. Die anderen 40% sind die Mittelklasse, die zur westlichen Welt gehört, wie man das nennt. Darin gibt es verschiedene Spaltungen mit Millionen prekärer Arbeiter, ohne sichere Zukunft. Es sieht so aus, dass sich die Kirche Rechenschaft darüber gibt, dass sie ihr karitatives Engagement zu den Problemen der Ernährung, des Wohnens, der verantwortlichen Gastfreundschaft, des personifizierten Aufnahme und zum Hinhorchen auf die gelebten, verschiedenartigsten Situationen wenden muss.

In Italien gibt es 1 Millionen Familien ohne Arbeit, fast 1 Millionen Frauen sind die einzige Einnahmequelle in einer sehr gr0ßen Zahl von Familien. 45 % der Jugendlichen sind arbeitslos. Und diejenigen, die arbeiten, haben wenig Sicherheit. Die Rechte der Arbeiter und die nationalen Verträge sind mehr und mehr verheerend. Die Nutzung von Zeitverträgen nimmt zu und die sind oft, vor allem für Jugendliche von kurzer Dauer, ein paar Wochen, immer erneuerbar und der Annullierung unterworfen. Das schafft Ängste, die Arbeit zu verlieren. Man ist verpflichtet, zu schweigen, alles anzunehmen. Die Regel ist: Zu machen was ich Dir sage oder Du kannst gehen. Es gibt immer jemanden an der Tür, der bereit ist, Deinen Platz einzunehmen. Von daher kommt die Konkurrenz und die Aufspaltung unter den Arbeitern, und die Immigranten sind verwirrt.

1. Hier ein bezeichnendes Zeugnis eines jungen Mannes, der in einem großen Supermarkt Amazon arbeitet und der sehr gut das Arbeitsklima in den verschiedenen Realitäten deutlichmacht .

Ich habe ein grünes Abzeichen, wie der Rest der Prekären, und aufgepasst, wenn Du das nicht im Auge behältst. Das Abzeichen wird dazu benutzt, um die Arbeiter aufzuspalten, indem sie in Konkurrenz zu einander gesetzt werden. Indem verschiedene Rangstufen geschaffen werden. Die Rangstufen der Armen sind für Leute wie ich einer bin. .

Das Abzeichen wechselt auf blau, wenn ich in eine unbefristete Beschäftigung gekommen bin, auch wenn der Lohn derselbe bleibt und die Anforderungen größer werden; denn sie befürchten, dass Du Dich hinsetzt, dass Du erschlaffst, wenn Du jetzt eine gewisse Stabilität erhalten hast. Und könnt Ihr begreifen, welche Stabilität das ist? Z.B. bist Du krank gewesen? Was mir passiert ist wegen eines Halsproblems. Ich habe ein Formular unterschrieben mitten im Nachmittag und die Stunden, auf die ich ein Recht hatte, sind nicht bezahlt worden. Aber ich wusste das.

Wenn Du mehr als zweimal am Tag um die Erlaubnis bittest, auf die Toilette zu gehen, dann bist Du als Faulpelz stigmatisiert und vielleicht findest Du Dich befremdlicher Weise mit einigen Euros weniger in der Tasche wieder.. Du wirst es nicht wissen und Du kannst nicht krank sein. Unter den Lagerarbeitern waren wir alles junge Leute. In Wirklichkeit, ich gehörte zu den Ältesten (28 Jahre).

Du machtest 18 KM pro Tag, wenn alles gut ging, und an Weihnachten das Doppelte oder Dreifache. Mit den Pausen von einer halben Stunde in verschiedenen Zeitabschnitten. Mit der Scanner – Pistole, die Dich führte, die Zeit aufnahm und Dir jeden Moment folgte, der auf einem Bildschirm alles notierte in Abschnitten von maximal 10 Sekunden. Wenn Du 5 Fehler, welche auch immer, machst, wirst Du zitiert, und nach zwei offiziellen Zitierungen wirst Du vor die Tür gesetzt oder finanziell bestraft.

Bei diesem Rhythmus wird einer mit 40 oder 50 Jahren sofort fliegen, und es gab solche. Wenige, aber es gab sie. Und einige ihrer Manager benutzten Sätze wie „Beweg Deinen Arsch, oder ich werfe Dich und Deine Familie auf die Straße“ Oder „Morgen ersetze Ich Dich durch einen Chinesen“ Ich kann die Manager nicht vergessen, die sich über alles lustig machten. Sie lachten auch über die gewerkschaftlich Organisierten (es gab sehr wenige, aber es gab welche), Aber „ Diese Organisationen werden hier nie reinkommen“. Er redet ständig über sie, als wenn die Gewerkschaften ein prähistorisches Erbe gegen die Modernität seien. Ein Hindernis, das beseitigt werden muss zugunsten der Entwicklung des Großen Projektes.

Sie lachten und riefen nach den Mädchen. „Sag Deinem Verlobten, dass er Dich nicht in Position bringt, denn wir brauchen Euch nicht mit der „Ausbeulung“ (Schwangerschaft?) Ja ich habe das zweieinhalb Jahre ausgehalten und dann bin ich gegangen nach einigen Monaten als ich vom Bürgermeister las, dass er sich bei Amazon bedankte, die Stadt und seine Einwohner gerettet zu haben; weil man sich schließlich daran gewöhnt, eine Null zu sein, schlimmer als eine Zahl .Ich erinnere Dich daran, dass der Lohn ein Hungerlohn ist. Und sich buchstäblich zu töten durch die Arbeit, ist eine Normalität, ja sogar eine edle und nützliche Geste. Du kannst erschöpft in den Bus oder ins Auto einsteigen mit glänzenden Augen nicht nur wegen des Schlafes…. Ich wurde… Ich verlor jede Form des Respekts vor mir selbst. Das kotzte mich an. Natürlich, ich brauchte den Lohn, wir wollen uns keine Lügen erzählen. Aber weil ich mich anekelte, hatte ich kein Leben mehr. Am letzten Tag hat mich mein Freund, bei dem ich einige Male übernachtet hatte, gefragt, ob ich verrückt sei, weil ich einen sicheren Arbeitsplatz verweigert hatte. Ich habe ihm geantwortet, dass ich erschreckt sei vor der Person, die ich geworden sei. Ein schlechter Mensch, vor dem ich mich schämte.“

2. Ein anderes Zeugnis eines jungen Rumänen, aber hinter seinen Namen, gibt es Arbeiter, die mit ihm arbeiten und auch Luca, der junge italienische Arbeiterpriester, der uns dieses Zeugnis geschickt hat, als er in Rumänien war bis 2015. Er hat mit ihnen gearbeitet in derselben Fabrik, der Handelsware für die Geschäfte IKEA produziert. „Ich sehe die Menschen hinter dieser Kommissionskette: als rumänischer Bürger arbeite ich in einer der zahlreichen Fabriken, wo wir die Handelswaren herstellen die danach überall in die Welt gehen. Um es genauer zu sagen, die Waren kommen in die Lager, sortiert und gereinigt, in eurer IKEA – Welt und in vielen anderen Regionen. Aber was nutzt es zu sagen, dass ich ein Rumäne bin? Ich habe dasselbe Gesicht wie ein Chinese, ein Inder, ein Afrikaner, ein Süd – Amerikaner, oder ein Europäer/ oder weiter dieselbe Haut, dasselbe Leben. Wer weiß, was es sagen will, der Geschmack an einer Arbeit, die Dich einigermaßen würdig leben lässt. Den aufrechten Rücken (Gang?), frei. Aber diese Arbeit, die ich der Einfachheit halber Sklaverei nenne, und die ich nicht mehr Arbeit nenne. Ja. Ich weiß, dass die Ware, die von Euch kommt, sauber ist und gut sortiert, ohne Fehler, ohne unsaubere Stellen, und weil sie Perfektion zeigt und Monotonie und einen Mangel an Leben und Kreativität, an Geschmack wie jedes Produkt, das in einer Produktionskette fabriziert wird. So kommt sie von Euch, aber sie ist auch ein Teil von uns auf andere Weise. Diese Weise ist die der Sklaverei. Ja, ich weiß, das ist ein grobes Wort, aber es ist die Realität. 12 Stunden am Stück dieselben Bewegungen machen, nach der Anfrage des Bestellscheins gefordert. 12 Stunden ohne Unterbrechung dieselben Gesten machen, doch nicht ganz, entschuldige bitte, mit einer Pause von 45 Minuten, mit Vorgesetzten, die nicht mit Dir sprechen, sondern die schreien, nicht weil die Maschinen so laut sind, sondern weil sie glauben, dass sie vor sich Nummern haben, Objekte, Tiere!

Was für eine Art des Lebens! Und alles das für einen Lohn, der nicht an die 250 Euro reicht. Hier wirst Du mir sagen: Ich wusste, dass wir über Geld reden würden. Aber auch das Niveau des Lebens ist schwach, wirst Du sagen….Aber wir sprechen über ein Leben, das kein Leben ist (Unter –Leben?). Was ist das Niveau eines Menschenlebens? Einen Spaziergang mit seiner Frau machen können, sich um die Erziehung der Kinder kümmern – ich frage Dich- gehört das zu einem besonderen Leben? Ich will sagen: gibt es Dinge, die wir uns nicht erlauben können? Oder gehört das zu einem minimalen Niveau des Lebens, das jedem Menschen zusteht?

Ich stelle Dir dieselbe Frage: Die Beziehungen mit Gott, mit einem Freund kultivieren, ein Buch lesen können, freie Zeit haben, Musik hören, sich informieren über das, was in der Welt geschieht, das sind Dinge eines Lebensniveaus in Eurer Welt und selbst wir hier sollten wir uns das nicht erlauben können? Nein, wisst Ihr, wenn ich morgens um 6 Uhr aus dem Haus gehe und am Abend um 19 Uhr 30 zurückkomme, wenn die Chefs nicht gerade etwas Besonderes in ihrem Kopf haben, da wisst Ihr, wie ich meine Kinder antreffe, meine Frau. Ja auch weil viele Frauen dasselbe Leben führen wie ich es tu. Es ist unnütz hinzuzufügen, dass ich Intelligenz zu verkaufen habe. Und ich sehe 15 (????) auf meinem Gesicht, auf dem meiner Kollegen von der Arbeit, die Augen entsetzt, leer, verloren. Ich sage Dir, die meinen sind genauso.

Und wir können nicht nein sagen zu jeder Anfrage. Wir sind zu Marionetten geworden, so wie sie auch Marionetten sind, kommandiert durch das Geld, durch den Profit, die Macht, Wir können nicht nein sagen unter der ständigen Drohung der Lohnkürzung. Aber für mich ist es notwendig, Geld nach Hause zu bringen. Wie soll ich sonst leben??

Und ich sehe alle Tage den Rücken meiner Kollegen und Arbeitskollegen gebückt unter der Last der Sklaverei und ich sehe den Rücken der Vorgesetzten noch schlimmer gebückt unter der Last der Akkumulation der Reichtümer und des verfluchten Geldes, das auf dem Blut der Armen geschaffen wird. Und ich sage mir: Wir konnten alle Dinge berechnen. Aber wir konnten nicht berechnen, wie viel Zeit die Schultern eines Menschen aushalten. Und wir erinnern uns nicht an die Worte Jesu, der uns ganz klar gesagt hat: wer anhäuft, wird sehen, dass sein Leben davon abhängt. Aber vielleicht ermüden wir uns schon dadurch, wenn wir uns an die Worte dieses Gottessohnes erinnern. Und so will ich Euch einladen, in Streik zu gehen, der eine der stärksten Waffen ist, um die Dinge zu ändern: Der Boykott!! Kauft diese Waren nicht in den Läden von IKEA. Sie stinken genauso wie die Waffen, die Diamanten, das Gold und all das, was aus dem Blut der Männer und Frauen unserer Welt gezogen ist. Ich habe Euch die Realität präsentiert, die wir so oft zudecken und unter der Illusion verstecken. Danke allen, die diese Gedanken übersetzen werden, denen, die sie lesen, die sie an andere weitergeben und die darüber nachdenken und entsprechend handeln. Wir aus dieser Hölle versuchen, zu überleben in unserem unmenschlichen Leben und wir grüßen Euch, das Blut auf unserer Stirn trocknend…so wie man hier sagt: Gott ist da oben und schaut uns zu!!!

In diesen letzten Jahren haben 450 000 junge Menschen Italien verlassen. Wir können sie eine geopferte Generation nennen, die Beschäftigung findet wie Krümel, die vom Tisch fallen. Wer keine Zukunft hat, der kann leicht zur Beute der Maffia und des Terrorismus werden. Das, was in Belgien geschehen ist. Junge Kinder von Immigranten, die in den Elendsvierteln ohne Arbeit oder mit prekärer Arbeit leben, nach dem Zeugnis des Buchautors: Immersion à Molenbeek (Éditions de la Difference)

Welchen Blick haben wir auf das Ansteigen der Nationalismen in Europa?

Die Nationalismen sind wie die Glut unter der Asche. In Zeiten der Krise tauchen sie auf; denn es gibt immer jemanden, der sie antreibt. Das ist ein leichtes Mittel, um Konsensus zu erreichen. Die Angst löst kein Problem. Oft wird die Krise zur Zerstörung, aber sie kann zur guten Gelegenheit werden. Das ist die andere Seite der Medaille. Unsere Zeit stellt uns ernsthafte Fragen über die Entwicklung, über die Gesellschaft, die wir aufgebaut haben. Dieselben Fragen, die wir uns als Gläubige über die Situation unserer Kirchen und des Christentums stellen. Diese Realität wird konfrontiert mit einer ernsthaften Analyse der strukturellen Ursachen.

Die Antwort ist nicht wie ein Schraubenzieher, mit der Polizei und mit den Kontrollen, sondern mit ernsthaften Vorschlägen für Arbeit, vor allem für die Jugendlichen, einer politischen Erneuerung, die heute nur in Funktion des Marktes ist und die den Menschen nur die Krümel lässt. Die Propagierung des Übels ist ein Zeichen von Krankheit. Nur wenn wir dessen bewusst sind, können wir sie umwandeln in Geburtsschmerz. Es wäre angenehm, auch positive Zeichen zu sehen, die ja existieren, aber die keinen Lärm machen. Diese neuen Zeichen zu verbreitern, könnte das Vertrauen wecken.

Wir arbeiten für eine Europäische Kirche, die herabsteigt von der theologischen und doktrinären Hauptbeschäftigung und die mehr Kontakt aufnimmt mit der gelebten und konkreten Realität an der Seite der „neuen Armen“, die die am meisten bestraften Kategorien durch die aktuelle Situation der Globalisierung sind. Der Hunger, die Armut, die Frauen, die jungen Leute, die mehr und mehr im Zentrum der Beschäftigung eines erwachsenen und im Evangelium verankerten Glaubens stehen, zur Wiederentdeckung des Werkes des Geistes und des tiefen Sinns von Matthäus 25. Der besteht auf dem Faktum, dass wir Jesus begegnen überall, wo wir mit denen sind, die sagen: Ich habe Hunger, ich habe Durst, ich bin nackt, ich bin im Gefängnis. Und sie sind lebendig, wie Christus lebendig ist und auferstanden heute in ihnen.

6. Beitrag der katalonischen Gruppe

Verdammt zur Präkarität: AUFGERUFEN, DIE ÄNGSTE ZU BESIEGEN

Die Arbeiterpriester aus Katalonien sind der Überzeugung: Um das reelle Problem der Präkarität und die nord-europäischen Nationalismen bei unserem Treffen in Essen gut zu situieren, dann müssen wir die Behandlung der Ängste vertiefen: wer ruft sie hervor und wie sie bekämpfen? Das müssen wir machen, indem wir vorn einer sehr weiten Betrachtungsweise ausgehen, indem wir die ganze Problematik in den aktuellen „Klassenkampf“ einbringen; dies in einer harten Auseinandersetzung der Konzentration von Kapital und der verschiedenen hintergründigen Kräfte (wirtschaftliche, politische, gefühlsmäßige) weltweit, regional, usw.

1. Wir wollen ausgehen von unseren Erfahrungen bei der Arbeit, im Wohnviertel, in der Kirche

++ „Ich habe gearbeitet mit einem prekären Vertrag, der nicht die ganze Realität widerspiegelte, mit Kollegen, denen man nicht alles bezahlte, was man ihnen versprochen hatte. Das ganze familiäre Statut war zerrüttet“ (Josep Lluis P). ++ „ Nach zweieinhalb Jahren Arbeit als Küchenhelfer in dem Krankenhaus in Bellvitge, in einem ausgelagerten Unternehmen, hat man uns keinen unbefristeten Vertrag zugestanden, wozu wir ein Recht hatten. Im Augenblick beziehe ich Arbeitslosen Geld und suche weiter Arbeit“

++ „ Die Arbeitslosigkeit und die prekären Arbeitsbedingungen (Zeitverträge, Teilzeitverträge, niedrige Löhne, wenig Rechte, totale Arbeitszeitflexibilität, Schwierigkeiten, um das Arbeitsleben und das Familien-, sowie das soziale Leben mit einander zu verbinden…) ist eine gewöhnliche Realität, die sich auch in meiner Familie, bei den Mitgliedern der CAJ und den Nachbarn des Wohnviertels Trinitat Nova zeigt. Das Wohnungsprekariat und die Vertreibungen sind auch eine harte Wirklichkeit“ (P. Rodado) ++ „Ich wohne in L’Hospitalet, einer Stadt mit 250 000 Einwohnern in der Nähe von Barcelona. In den 60er Jahren hat es dort eine sehr starke interne Migration gegeben und im Augenblick setzt sich die Bevölkerung zur Hälfte aus Menschen aus der Stadt und zur anderen Hälfte aus Menschen von außerhalb zusammen: Lateiner, Araber, Inder oder Pakistani. Die Ängste und Unsicherheiten in meiner Umgebung haben „Beziehungs“charakter, Schwierigkeiten, zusammen zu leben, mit den unterschiedlichen Lebensgewohnheiten im Vergleich zu denen in Katalonien. Die Gemeindeverwaltung (sozialistisch) schließt einen Kinderpark und einen Garten in der Nähe, die immer von Kindern aus dem Maghreb besetzt sind, wegen der Beschwerden von einheimischen Bewohnern, von denen viele aus dem Süden Spaniens kommen. Dieses wegen des Lärms von Unterhaltungen am Anfang der Nacht und durch die Angewohnheit, sich des Brunnens zu bedienen, um Wasser in Behälter zu füllen und sich die Füße zu waschen, eine Gewohnheit der fremdländischen Bevölkerung“ ( Ramiro P) ++ „ Ich habe 53 Jahre in Arbeiterpfarreien in Sabadell gewohnt. Seit 15 Jahren bin ich in Rente, aber ich teile die prekäre Situation von vielen meiner Kollegen und Nachbarn. Sie finden keine Arbeit, oder sie finden welche unter sehr schändlichen und ungerechten Bedingungen. Und einige von ihnen sind immerhin zufrieden. Man nimmt jegliche Arbeit an, ob sie einem gefällt oder nicht, ob sie zusammengeht mit den Studien oder mit einer gemachten Vorbereitung. Mit all dem, das diese Situation auf familiärem Niveau mit sich bringt. : Wohnung mit einer Hypothek belegt, Spannungen in der Ehe, Trennungen, die Hilfe der Eltern brauchen, Entmutigung beim Suchen von Arbeit, nicht aktive Zeit, die einen prägt und die Auswirkung auf die Kinder. All das schafft bei den Leuten nach und nach eine Art negativ zu sein. Man sieht sich leicht aus der Gesellschaft ausgeschlossen,sie bringt einem nichts mehr und die Zahl der Selbstmorde nimmt zu“ (Carles C) ++ „ Seit 53 Jahren lebe ich in Montcada, einem Viertel, das geprägt ist von der Einwanderung aus allen Provinzen Spaniens. Zu ihnen haben sich 12% Migranten gesellt: Südamerikaner, Araber, Afrikaner. Pakistani, Chinesen. Mehr als mit der ANGST leben, leben wir wütend, „emprenyats“ (???), durch die Ansteckung, durch die Arbeitslosigkeit, Wohnungsmangel….“ (Sebas H)

2. Woher kommen die Ängste in uns und bei den Personen um uns herum?

++ Die Ursache der „Angst“ ist, radikal gesprochen, dass „diese Wirtschaft tötet“. Diese generalisierte Präkarität in unserer Gesellschaft, die nur die Mächtigen favorisiert, aber die existentielle Konsequenzen für die Mehrzahl hat. ++ Es ist die „Angst“, die den Weg freimacht für das Anwachsen der Präkartität, zu den Einschnitten, zum Annehmen von untermenschlichen Situationen. Es ist die Angst, die den rechten Populismus nährt, von ganz Rechts. Es ist die Angst, die die Kultur verachtet, die Demokratie und die Freiheit (Isidre) ++ In vielen Fällen ist diese Angst projektiert als Widerstand gegen die Immigranten, die man als Konkurrenten betrachtet hinsichtlich der sozialen Ressourcen (Arbeit, Stipendien Geldbeihilfen, )

++ Diese Ängste und Unsicherheiten, die wir leben, sind anders als die, die die Länder Zentral –Nord – Europas erleiden, nämlich Ängste und Unsicherheiten, die mehr „politisiert“ sind, mit den Nazi –Parteien (Ramiro)

3. Welches sind die Basisängste?

++ Keine Arbeit haben, nicht mal mit einem Zeitvertrag. Keine garantierte Rente haben, nicht bis zum Monatsende auskommen, den Kindern keine Ausbildung anbieten. Man akzeptiert alles aus Angst, noch weiter zum Schlimmeren absinken.

++ Die Angst der einheimischen Arbeiter gegenüber er den Neuangekommenen (der „ouvrierismus“ das Arbeiterbewusstsein von früher gilt nicht mehr in den postindustriellen Zeiten)

++ Die Angst vor den Räderwerken der Öffentlichen Verwaltung, die oft die „sozialen Klauseln“ vergessen, die die Eingliederung von bestimmten vernachlässigten Gruppen in die Arbeit begünstigen. ++ Persönlich habe ich Angst vor der zunehmenden Schwierigkeit, mich erneut in die Arbeit zu begeben wegen des Alters. In Wirklichkeit wird es nach jeder Unterbrechung härter (Pepe Rodado). ++ Auch die Angst vor dem Terrorismus Eine diffuse Angst vor Attentaten, unwahrscheinlich, aber beängstigend. ++ In unserem Wohnviertel statt leben wir nicht mehr mit „Angst“ sondern immer mehr dem Ärger: „ emprenyades“ (???) und fehlendem Prestige der politischen Klasse. Wir leben die Unsicherheit, in den Händen von Korrupten zu sein. Es gibt eine unlösbare Leere zwischen „dem Volk“ und den „Regierenden“. ++ Auch machen uns unsere Ängste unsensibel hinsichtlich der Angst der Immigranten mit Kindern, die ihr Leben riskiert haben und abgelehnt werden. ++ Die Angst mobilisiert nicht, aber sie kanalisiert die Stimmen zu der extremen Rechten

4. Welchen Blick, welches Kriterium haben wir für das Ansteigen der Nationalismen in Europa?

++ Anstelle von Nationalismen sollten wir sprechen von „Imperialismen, Faschismen, die Weltbank, den Mächtigen der Wirtschaft, den Unberührbaren der Politik (Sebas ).

++ Der große Nationalismus ist der der Staaten. Die meisten von ihnen definieren sich als Nationalstaaten, fundamental ausgerichtet auf die Verteidigung ihrer eigenen Interessen.

++ Man muss rigoros umgehen mit dem Nationalismus von Europa. Die sind nicht alle gleich. Die Empfindungen von Katalonien, die aus einer langen Kampfgeschichte um die Wiedererlangung der Freiheiten, die man früher hatte, hervorgegangen ist. Aber wir fordern auch auf der Straße ein offenes Katalonien, das die Immigranten und die Flüchtlinge aufnimmt. Die Kampagne „VOLEM ACOLLIR: – WIR WOLLEN AUFNEHMEN“ (Ein Solidaritätskonzert: 16 000 Leute. Demonstration mit 50 000 Leuten!) ++ Für uns Arbeiterpriester ist der Spanische Staat eine delikate Sache, die wir unter uns vertiefen müssen, mit Hilfe einer ernsthaften Vision, die die Unterschiede respektiert und die angeboten werden kann an Leute, mit denen wir in Kontakt sind. (Ramiro)

5. Was, Wer hilft uns, einen Weg der Stabilität, der Sicherheit und des Vertrauens zu gehen?

— Man würde sagen, dass heute die einzigen, die die Angst überwinden, die Fanatiker sind, die sich selbst aufopfern. Diejenigen, die wir uns im Laufe der Jahre 60 bis 70 mit Risiko in den antifaschistischen, antiimperialistischen und antikapitalistischen Kampf begeben haben, dass wir die Angst überwunden haben. Man besiegt die Angst nur in den Organisationen, die das anvisieren, was der Mühe wert ist und Sinn macht. (Alberto G.). – Der Terrorismus und die Fremdenfeindlichkeit bekämpft man nicht prinzipiell mit mehr Polizei und mehr Kontrollen, sondern mit mehr Gerechtigkeit, mit Bedingungen würdiger Arbeit, mehr Menschlichkeit (Isidre).

++ Einen vertrauensvollen Blick auf die anderen, entgegen den angstvollen Blicken. Diese führen zu persönlichen Aktionen und politischen Maßnahmen der Sicherheit, gegen Antisoziales.(Pepe)

++ Ich versuche, diesen Blick und diese Aktion mit meinen Kollegen bei der Arbeit, mit der Familie, mit den Pfarreien, in denen ich mitarbeite, bei den Apostolischen Bewegungen, in der Initiative d’Entités Chrétiennes (????Christliche Vereine), mit den Immigranten zu teilen (P.R.) ++ Viele Gruppen und NGOs wie die Stiftung La Salut Alta von Badalona arbeiten für eine integrative und integrierte Zukunft, von der Kindheit an und mit den Familien. Die Beschäftigungskurse der Caritas arbeiten für und favorisieren die Integration, das Zusammenleben, das gemeinsame Arbeiten für eine plurale und integrierte Gesellschaft. Sie strengen sich an, integrative und inklusive Alternativen anzubieten.(Jordi F)

++An der Seite von vielen anderen, Gläubigen oder Nichtgläubigen, machen wir mit bei kleinen und großen Mobilisierungen, Symbolischen Aktionen und Einrichtungen und wollen so die Angst und die Unsicherheit von den Wurzeln her bekämpfen.

++ Mich hält der Blick Jesu aufrecht, aber wer hält die Leute ohne Lohn?“ (Victori M) ++ Mir hilft das Eintauchen von 40 Jahren in das Wohnviertel, indem ich die Ängste, die Hoffnungen und die Lust zu leben teile. Was hat einen Sinn für sie? Viele Rentner halten ihre Familie aufrecht mit ihrem Geld. Dass die Leute leben könnten wie Jesus (Sebas H).

++ Die Tatsache, dass wir uns zusammentun und uns dem anderen nähern, das hilft uns. Der ständige und oft so schwierige Dialog. Dass sich die Leute nicht allein fühlen. Beziehungsräume schaffen (Ramiro) ++ „Was hält mich aufrecht? Ich habe den Eindruck, dass alles, was ich gemacht habe, nicht viel genutzt hat. Die Welt zerfällt. Wer mir hilft, ist Jesus. „Habt keine Angst“, Gott wurde der Sohn, ein Verlorener, ein Verurteilter. Mir hilft die Tatsache, zu glauben, dass dieser Unglückliche Gott war“ (Jaume ). ++ Zusammen Wege suchen, um diesen ungeheuerlichen Individualismus zu brechen und die Zusammenarbeit in alle Richtungen zu unterstützen: auf der Ebene der Arbeit, der Gemeinde, des Lebens, der Kirche. (Josep LLuis) ++ Nicht Schweigen, um die Konfrontation mit den Leuten zu vermeiden, die ziemlich emotional ihre Ängste leben, zumal wenn diese das Zusammenleben beeinflussen.

++ Zuerst müssen wir uns bemühen, unter uns Arbeiterpriestern nicht so sehr eine ideologische Identität, sondern eine Identität der sozialen Gerechtigkeit bei den Schwächsten suchen. ++ Auf diesem Weg müssten die Kirche, die Gemeinde privilegierte Orte sein. Sie müssten immer in offenem Dialog mit der Welt sein. Es werden offene Gemeinschaften benötigt. (Carles).

–„Darum fürchtet sie nicht. Denn nichts ist verhüllt, das nicht enthüllt werden wird“ (Mt 10, 26)

– „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber darüber hinaus nichts weiter zu tun vermögen“ ( Lk 12, 4) — „Fürchtet Euch nicht. Geht hin und bringt meinen Brüdern die Botschaft, sie sollen nach Galiläa gehen. Dort werden sie mich sehen. (Mt. 28,10) — „Seid getrost… ich bin es. Fürchtet Euch nicht“ (Mt. 14, 27)

7. Beitrag aus den Niederlanden

Vorweg: Seit 2003 stehe ich in Verbindung mit den Arbeitergeschwistern in Deutschland. Soweit ich weiß, gibt es zurzeit in den Niederlanden keine Arbeiterpriester, auch keine Kleinen Schwestern oder Kleine Brüder, die noch in bezahlter Arbeit sind. Darum gehe ich zu den Zusammenkünften in Deutschland. Es gibt viele Übereinstimmungen zwischen den Niederlanden, aber auch Unterschiede. Darum will ich einen eigenen Beitrag aus den Niederlanden schreiben. Einen bescheidenen Beitrag, weil er nicht durch eine breite Gruppe getragen wird, sondern meine persönliche Antwort auf die Fragen darstellt.

1. Am 15. März waren Wahlen in den Niederlanden. Die PvdA (Partei der Arbeit, Sozialdemokraten) hatte den größten Verlust seit jeher. Von 38 auf 9 Sitze. Jetzt sind sie die 7. Partei im Lande. In den letzten vier Jahren haben sie mit der VVD (rechts liberal).regiert. Unter ihrer Regierung ist die Wirtschaft aus dem Tal gekommen und es gibt wieder mehr Arbeit; aber das sind vor allem flexible Arbeitsverträge und weniger feste Laufbahnen. Viel mehr Menschen arbeiten gezwungenermaßen als Selbständige (ZZP ers). Die Leute haben weniger Sicherheit, sind verwundbarer bei Krankheit, können leichter entlassen werden, Zuschüsse sind kaum erhöht und Renten eingefroren. Vor allem bei Menschen, die niedrig bezahlte Arbeit verrichten, werden sekundäre Arbeitsbedingungen immer mehr abgeschafft. So arbeite ich als Haushaltshilfe bei Menschen zu Hause. Die Reisezeit zwischen dem einen und dem anderen Kunden wird nicht vergütet. Arbeitstreffen und Weiterbildung gehen auf eigene Zeit, unbezahlt. Die Arbeit ist physisch ist für viele Menschen zu schwer, um 5 Tage in der Woche arbeiten zu können. Deshalb haben es viele Kollegen schwer, um über die Runden zu kommen.

Die Niederlande sind ein reiches Land. Die Sozialfürsorge war sehr gut; aber auch da ist in den letzten Jahren vieles verschlechtert worden. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist größer geworden. Es besteht die große Chance, dass demnächst wieder eine Zentrum – rechts Regierung kommt und dann wird die Kluft sicher nicht kleiner. Im Gesundheitswesen sind viele bezahlte Laufbahnen weggespart worden und jetzt wird die Arbeit von Freiwilligen getan. Sehr häufig sind das Menschen, die eine Beihilfe bekommen und gezwungen werden. „Freiwilligenarbeit“ zu leisten.

2a. Die Partei von Wilders ( PVV, rechtsnationalistisch ) ist nicht die größte Partei geworden; aber sie haben viel mehr Stimmen erhalten als bei den letzten Wahlen. Ich denke, dass kommt daher, dass viele Menschen unsicher sind bezüglich ihrer Zukunft. „Werde ich meine Arbeit behalten?“ Wir stellen eine Verschiebung der Arbeit fest Weniger Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich (Banken); weniger Arbeitsplätze im Gesundheitswesen; weniger feste Verträge im Bauwesen usw. „Werde ich mein Einkommen behalten?“ Die Renten werden nicht bis kaum indexiert( angepasst) „Werde ich eine bezahlbare Wohnung finden?“ Es besteht ein großer Mangel an Sozialen Mietwohnungen. Es besteht die Angst, dass Migranten und Flüchtlinge die Arbeitsplätze und die Häuser wegschnappen. In meiner Umgebung stelle ich eine große Angst Anschlägen und Terrorakten fest. In den Niederlanden ist (noch) kein großer Anschlag gewesen.

2b. In Gesprächen mit Menschen höre ich öfter, dass man findet, dass sich die Neuankömmlinge unserer Kultur und unseren Gewohnheiten anpassen müssen. Oft wird dann ausdrücklich gesagt: sie müssen sich anpassen an unsere „jüdisch – christliche“ Kultur. Mich überrascht es dann, dass diejenigen, die am lautesten rufen, selbst nur halb wissen, was die christlichen Werte sind, so wie Fremde aufnehmen. In der öffentlichen Debatte über Flüchtlinge und über vollendetes Leben fehlt oft der christliche Ton. Nur ein einziger Theologe . z.B. Erik Borgmann lässt von sich hören.

3. (Was kann uns helfen in dieser Situation, um zusammen einen Weg der Stabilität, der Sicherheit und des Vertrauens zu gehen?)

Meine erste Reaktion auf diese Frage ist: Müssen wir nach Sicherheit suchen oder müssen wir gerade lernen um mit der Unsicherheit umzugehen? Müssen wir alles abgrenzen und begrenzen, zur Not mit richtigen Mauern oder mehr zu leben wagen aus Vertrauen in das Gute der Menschen heraus? Leben aus Misstrauen heraus und Angst ruft Misstrauen und Angst hervor. Wagen zu Vertrauen.

Unrecht müssen wir weiter benennen und anklagen. Eine große Herausforderung ist es, so scheint es mir, um aus christlicher Perspektive heraus zu leben. Welchen Weg zeigt uns die Bibel, unser christlicher Glaube?

— Ausschau halten nach dem Zusammenleben von der Perspektive der Verwundbaren her, von der Peripherie her. — Nicht die eine Macht gegen die andere austauschen, sondern uns nach dem Königsreich Gottes hin anziehen lassen, das wie auch immer kommen wird, wir können daran mitwirken

— leben und wirken von der Überzeugung her, dass es nicht von uns abhängt – wissen, dass wir alle von Gott getragen werden – wissen, dass wir alle zutiefst abhängig voneinander und miteinander verbunden sind

sei nicht ängstlich, sondern freimütig –“ mit leeren Händen dazustehen“ wagen

Auch ich suche, ich weiß die Antwort nicht. Aber ich werde angeregt durch die Worte von Papst Franziskus, der uns herausfordert, aufruft, die Peripherie aufzusuchen, weil Gott da sichtbar wird.

Wenn wir die Armen, die Verwundbaren, die Fremden aufsuchen, dann geschieht etwas mit uns, wenn wir es wagen, uns gläubig anrühren zu lassen. Von einer christlichen Spiritualität (und Theologie) heraus hinsehen auf das, was in unserer Gesellschaft zugange ist, und uns engagieren, das durchdenken und danach handeln. Ein Theologe, der mich darin inspiriert, ist Erik Borgmann.

8. Beitrag der spanischen Gruppe

PREKARIAT UND ANGST

Die Ungleichheit ist nicht nur eine Bedrohung, sondern eine reelle Gefahr für das Überleben der menschlichen Familie und der Natur. Es ist ein Skandal der Reichen und sät eine Zukunft der Unsicherheit.

1. Prekariat

Spanien ist das vierte Land in der Ungleichheit von Europa zwischen den 20 % Reichsten und 20 % Ärmsten der Bevölkerung (Bericht Spanien 2017“ – Kommission der Europ. Union). Die öffentlichen Ausgaben im Gesundheitswesen und in der Erziehung haben seit 2010 um 21 % abgenommen.

In 2008 zählte Spanien 1,5 Millionen Personen in großer Armut. Heute sind es unglücklicherweise mehr als 3 Millionen, Das eine Prozent der Reichsten in der spanischen Bevölkerung besitzt ein Viertel der spanischen Reichtümer des Landes, während 20 % nur 0,1 % davon besitzen.

Die Familien mit wenig Vorräten haben ungefähr 50 % ihres Einkommens seit 2008 verloren gegenüber den 11 %, die die Reichen verloren haben (Bank von Spanien). Mehr als 5 Millionen Personen müssen wählen zwischen ihre warme Wohnung zu behalten oder zu essen und sich zu bekleiden.

2. Angst

In 2016 haben die Autoritäten sich weiter geweigert, mit der Gerichtsbarkeit in Argentinien (???) zusammenzuarbeiten in der Untersuchung der Verbrechen, die während des Zivilkrieges und des Frankismus geschehen sind

Die Arbeitslosenrate: Die Wirtschaftspolitik hat 7 Millionen Vollzeit – Arbeitsplätze vernichtet und fast 6 Millionen Arbeitsplätze mit unfreiwilliger Teilzeit verursacht.

Ausgaben für Waffen: Die Europäische Kommission erleichtert ein Programm für militärische Aus gaben, die nicht einberechnet werden in das öffentliche Defizit, das, wie man weiß, die 3% des PIB eines Landes nicht überschreiten darf.

Die juristische Unsicherheit: das neue Gesetz der Öffentlichen Sicherheit von 2015 (bekannt als „Gesetz GAG“) reduziert die Versammlungsfreiheit und das der Freiheit der Meinungsäußerung. Am 5. Februar sind die Marionettisten Alfonso Lazarus und Raul Garcia eingesperrt worden, nachdem sie ein Theaterstück präsentiert haben, das politische Kritik enthielt mit Szenen wie man eine Ordensfrau verprügelte, einen Richter erhängte, einen Polizisten und eine schwangere Frau schlug. Das alles wegen eines Plakates, auf dem geschrieben war „Es lebe die Alka – ETA“. Sie sind 6 Tage im Gefängnis geblieben und schließlich nach 5 Monate befreit worden.

Francisco Molero, 27 Jahre alt, wurde festgenommen und von der Polizei geschlagen, weil er an der Demonstration vom 25. 4. 2013 „ Umringt den Kongress der Abgeordneten“ gegen die sozialen Reduzierungen teilgenommen hat. Er ist zu einer Geldstrafe von 16 000 Euro und zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

3. Die Kriminalisierung der Migranten und der Geflüchteten

Man verbreitet einen Rassismus: sie kommen, um uns den Wohlfahrtsstaat zu „stehlen“. Unsere Arbeitsplätze zu belegen, unsere Straßen der Unsicherheit zu füllen. Aber die erste Sache, die uns bei den afrikanischen Migranten überrascht, ist, dass nur 2 Personen von 10, die ihr Land verlassen, in Europa ankommen.

Die kollektiven Ausweisungen, die durch die Grenzpolizei in Ceuta und Melila (das sind zwei spanische Städte im Norden von Marokko) durchgeführt werden, dauern an.

In meiner Stadt 8 % der Bevölkerung sind fremdländisch. Aber in einem Sektor meines Wohnviertels (Straßen, Plätze…) konzentrieren sich die Migranten oder wohnen mit den Spaniern zusammen, die meistens in Rente oder arbeitslos sind. Die Migranten werden immer zahlreicher und leben in überbelegten Wohnungen. Es gibt Bars und Läden, die ausländisch sind. Die Probleme ergeben sich in der Verwaltung der kommunalen Ausgaben, leere Wohnungen werden mit Gewalt besetzt. Die Spanier haben Angst, weil sie sich verdrängt fühlen in ihrem Wohnviertel. Das ist eine Quelle für Rassismus und Ablehnung“.

Es gibt eine öffentliche Schule, wo die Schüler aus allen Nationalitäten und Religionen sind. Es gibt keine Mehrheit von irgendeinem Land. Die spanischen Eltern schreiben ihre Kinder dort nicht ein. Die meisten der Lehrer werden jedes Jahr ausgewechselt. Um die Diskriminalisierung unter den Schülern zu vermeiden, tragen alle eine von der Schule gestellte Uniform“.

In Hinsicht auf das Gesundheitsgesetz von 2012 hat man die Gesundheitskarte von 748.835 Immigranten, die in irregulärer Situation leben, eingezogen. Aber zum Glück hat der Verfassungsgerichtshof entschieden, dass die medizinische Versorgung, die gratis ist, der Verfassung entspricht.

4. Alternativen Lösungen. Was können wir machen?

1. „Das Leben des Volkes zuerst“ (Papst Franziskus)

2. Grundeinkommen für alle Bürger

3. Den zivilen Ungehorsam unterstützen, der im Falle einer Verletzung der Menschenrechte organisiert wird, wie die Aufnahme der Geflüchteten.

4. Ein andere Asylpolitik der EU einfordern, die den Menschenrechten Priorität einräumt.

5. Sicherheits- und Rettungsoperation im Mittelmeer

6. Sichere und legale Mittel schaffen, die den Zugang der Geflüchteten sichern, indem menschliche Zugangswege geschaffen werden.

7. Politische Maßnahmen aktivieren, die die Ausgabe von menschlichen Visen ermöglichen

8. Den Blick für die Utopie nicht verlieren

Für das erste Mal in seinem Leben ist Daniel Blake, ein englischer Tischler von 59 Jahren, gezwungen, soziale Hilfe zu erbitten wegen Herzproblemen. Und obwohl sein Arzt ihm verboten hat zu arbeiten, sieht er sich verpflichtet, eine Arbeit zu suchen, unter Androhung von Strafe. Im Laufe der regelmäßigen Termine im „Job- Center“ wird Daniel den Weg von Katie kreuzen. Sie ist alleinstehende Mutter von zwei Kindern. Sie wurde verpflichtet, eine Wohnung in 450 km Entfernung von ihrer Geburtsstadt anzunehmen, um nicht in einem Heim untergebracht zu werden. Eingefangen in dem Netz der verwaltungsmäßigen Verirrungen von Groß – Britannien von heute, werden Daniel und Katie versuchen, sich gegenseitig zu helfen.

siehe OFFENER BRIEF