Ortswechsel – Arbeit – Reich Gottes

Ortswechsel – Arbeit – Reich Gottes
Theologische Spuren zum Ansatz und Leben der Arbeitergeschwister

1. Ortswechsel

  1. Kronzeugentext: Phil 2, 5-11
    er entäußerte sich“, „sein Leben war das eines Menschen“, „er war gehorsam (hypomonä)“

  1. ins Gleiche gehen“
    konkrete Beziehungen suchen, Verbindung mit wem genau?, sich zum Nächsten machen

  1. Klassenwechsel
    in die Klassensituation wird man hineingeboren, eine Klassenposition kann man einnehmen, theoretisch wie lebenspraktisch

  1. Leben mit
    vivre avec“, nicht leben für…, gegen assistenzialischte Ansätze

  1. Unheilbar privilegiert (M. Debrel)
    es bleibt die eigene Vergangenheit, die anderen Möglichkeiten, vielleicht besser: partiell identifiziert

  1. Organische Intellektuelle (A. Gramsci)
    Leben in Sprache bringen, Perspektiven weiterdenken, immer in organischer Verbindung mit den beschäftigten KollegInnen

  1. Aus der Kirche in eine säkularisierte Welt
    an einem Ort leben, an dem Kirche nicht vorkommt , an dem Gott gesucht werden will, an dem das Reich Gottes wachsen will

  1. Ort des Lebens = ist Ort der Spiritualität
    Glaube wird durch den Ort, den Alltag, die Auseinandersetzungen geformt

  1. Funktion im Betrieb
    von einfacher Tätigkeit über Vertrauensfrau/-mann bis zum freigestellten Betriebsrat

  1. Die einen sind im Dunkeln und die andern stehn im Licht, doch man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.
    Mit welchen Augen, mit wessen Augen sehe ich die Welt? Auf die im Dunkeln hinweisen und mit deren Augen die Welt sehen = Konkretionen der Option für die Armen (J. Sobrino, F. Belo)

2. Arbeit

  1. Kronzeugentext: 1 Thess 2,9
    Bei Tag und Nacht gearbeitet(…) und so das Evangelium verkündet
    Paulus, Apostel, ein Arbeiter, der das Evangelium verkündet

  1. Sohn des Zimmermanns
    s. Lk 2,51-52, ein Satz über die längste Phase des Lebens Jesu, „Nazarethleben“ (Charles de Foucauld)

  1. Nicht von der Kirchensteuer, sondern von eigener Arbeit leben
    verbeamtete Kirchenstruktur, Kirche abhängig von der Kirchensteuer
    Arbeit als Schöpfungsteilhabe

  1. Keine SozialarbeiterInnen
    ohne den Wert guter Sozialarbeit zu mindern (anderer Ansatz)

  1. Als lebensentscheidender Ort
    Arbeit ist für sehr viele ein identitätsstiftender, Leben sichernder Ort

  1. Als politisch und gesellschaftlich wichtiger Ort
    Betriebsarbeit als Ort gesellschaftlicher und ökonomischer Machtverhältnisse, auch im Finanzkapitalismus noch Ort von wirtschaftlicher Bedeutung

  1. Als Ort des Eingreifens
    Auseinandersetzungen um faire Arbeitsbedingungen, um „gute Arbeit“, um Löhne, Sozialversicherungssysteme, um Teilhabe und Mitbestimmung

  1. Als Ort der Solidarität
    gewerkschaftliches Engagement, Betriebsratsarbeit, alltäglicher Widerstand,

  1. Monotonie, Stress, Unter-/Überforderung
    Bedeutung alltäglicher Arbeit für das Leben erfahren, Müdigkeit, Hektik, Druck, Leistungsvorgaben

  1. Bete, während du arbeitest, Christus begegnen
    andere Form des „Ora et labora“, Handarbeit als Ort der Meditation
    Christus ist gegenwärtig, Er kommt uns entgegen: „Hab keine Angst, ich bin es“, „Sakrament des Bruders“ (Balthasar)

3. Reich Gottes

  1. Kronzeugentext: Mt 6,33
    zuerst um das Reich Gottes“ = Prioritätensetzung

  1. Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art…
    Ansatz bei Gaudium et Spes, es geht um die Menschen in der Welt, nicht um die Kirche, Kirche ist Teil der Welt und kann nur mit ihr erlöst werden

  1. Leben vor dem Tod
    der Erde treu sein (Gutierrez), … damit sie das Leben haben, nicht (nur) irgendwann

  1. Werktagschristentum
    was „sonntags“ verkündet wird, muss auch noch montags (bis samstags) an der Stechuhr gelten und will dort gelebt werden

  1. Als neue Menschen, in einer neuen Kirche, für eine neue Welt (Casaldáliga)
    Perspektive geht weit über die Kirche hinaus, in dieser Perspektive gilt es Prioritäten zu setzen und Kräfte zu investieren

  1. Identität der Kirche im Dienst an den Schwachen
    Es gibt keine vordefinierte Identität der Kirche, sie ist immer Ergebnis eines Prozesses, der sich jeweils immer in neuen Situationen bewähren muss. Kirche entsteht ständig.

  1. Reich Gottes Verträglichkeit
    Das gesamte Handeln von Christen und Kirchen muss auf seine „Reich-Gottes-Verträglichkeit“ hin überprüft werden.

  1. Kirche als Werkzeug
    Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts (Gaillot), die Kirche ist nicht für sich selbst da. Sie „schafft sich ab“ (im doppelten Sinn) am Reich Gottes.

  1. Diakonia, Martyria, Liturgia, Koinonia
    von den klassischen Grundvollzügen wird die Diakonie bevorzugt. Die Liturgia wird oft in verschiedenen Formen der Meditation gelebt. Die Koinonia hat ihren Ort in der Gruppe der Arbeitergeschwister und unter den KollegInnen oder im Stadtteil. Aus all dem wird Martyira.

  1. Hoffnung auf „neue Erde“ als Kraft zum Widerstand
    gegen das TINA-Syndrom der Alternativlosigkeit, für Christen gibt es immer eine andere Erde, eine andere Möglichkeit, einen Weg hinaus ins Weite.Die Utopie lässt uns gehen (Eduardo Galeano). Diese Haltung gilt auch in den aktuellen Zeiten „messianischer Dürre“ (Elsa Tamez) und „im Exil“, das wir ertragen gelernt haben. In den Überflussgesellschaften der „ersten Welt“ tun wir als Christen so, als seien wir in Ägypten zu Hause.(D. Sölle)
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